Blogtour zu Daniel, mein jüdischer Bruder – Tag 3: Julius Streicher

Ihr Lieben,

bereits vorgestern durfte ich die Blogtour zu einem Buch eröffnen, das mich wirklich sehr berührt hat.
Daniel, mein jüdischer Bruder – Eine Freundschaft im Schatten des Hakenkreuzes“ von Marianne J. Voelk beschreibt Erlebnisse aus der Sicht eines kleines Mädchens aus der NS-Zeit.
Sie hat mich berührt wie selten eine Geschichte aus dieser Zeit, weil sie einfach mit so viel kindlicher Naivität und Liebe erzählt wurde, dass die Emotionen der mittragenden Personen über die Zeilen schwappten und mich erreichen konnten.
Nachdem euch Nicole gestern auf einen Rundgang durch Nürnberg mitgenommen hat, dem Schauplatz des Buches, freue ich mich, dass unsere Blogtour heute ein zweites Mal bei mir Station macht. Und heute geht es um einen Menschen, einen der großen Drahtzieher dieser Zeit: Julius Streicher.

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Julius Streicher

Ich muss zugeben, dass ich von Julius Streicher zuvor zwar schon einmal gehört hatte, bevor ich mit diesem Buch begann allerdings keine wirkliche Ahnung hatte, wer dieser Mensch genau war. Und das, obwohl ich bereits viele Berichte über dieses schwarze Kapitel unseres Landes gelesen und gehört habe.

Bereits im Buch wurde klar, dass er ein wirklich unangenehmer Typ gewesen sein musste und während meiner Recherche zu diesem Thema wurde deutlich, dass diese Annahme noch sehr untertrieben war.

Julius Streicher war als Gau-Leiter von Franken einer der Hauptverantwortlichen für die Judenhetze in Nürnberg. Und genau so hat auch die Autorin das bereits als junges Mädchen empfunden und nieder geschrieben. Die erste Erwähnung Julius Streichers im Buch ist die folgende:

Die ganze Feindseligkeit gegen die Juden in Nürnberg geht von einem einzigen Mann aus, der die Juden schon immer gehasst und schlecht gemacht hat. Er heißt Julius Streicher und leitet seine Judenhetze vom Nazi-Hauptquartier, dem sogenannten Braunen Haus aus.
(Daniel, mein jüdischer Bruder; S. 68)

In der Tat soll er einer der schlimmsten Antisemiten gewesen sein, der als Gründer und Herausgeber der Hetzzeitschrift “Der Stürmer” leider auch großen Einfluss in der damaligen Zeit hatte. Selbst Joseph Goebbels sagte einst, dass Streicher in der ‘Judenfrage’ ‘viel zu weit’ ginge.

1885 geboren wuchs er als eines von neun Kindern in der Nähe von Augsburg aus und wurde nach seinem Volksschulabschluss selbst Grundschullehrer und ließ sich nach Nürnberg versetzen, als solcher war er allerdings selbst recht diktatorisch und jähzornig. Dennoch blieb er bis 1923 in diesem Beruf bis er sich am sogenannten Hitler-Putsch beteiligte und für den Schuldienst somit nicht mehr tragbar wurde.

Streicher war während des ersten Weltkriegs ein hochgelobter und ausgezeichneter Soldat und wurde 1918 sogar zum Leutnant der Reserve ernannt. Die Schmach der Niederlage des ersten Weltkriegs konnte er nur schwer verwinden, zumal er auch noch Gegner der Weimarer Republik war. So gründete er 1919 die Nürnberger Ortsgruppe der antisemitischen Deutsch-Sozialen Partei, in der er seine ersten antisemitischen Rhetorischen Reden schwang, für die er später so berüchtigt war, mit und unterstellte sie selbst in Hitlers Beisein 1922 dem Nürnberger Flügel der NSDAP.
Von 1924 bis 1932 saß Streicher im bayrischen Landtag, danach bis 1945 im Reichstag und brachte nebenbei seit 1923 “Der Stürmer” heraus.

Nach Hitlers Gefängnisentlassung 1925 wurde er zum Gau-Leiter von Mittelfranken und später von Franken. Er nannte sich selbst schon zu einem frühen Zeitpunkt den “Frankenführer” und hatte in der SA den Rang eines Obergruppenführers inne.

Nachdem die Partei 1933 ging Streicher sofort hart und immer strikter gegen die Juden vor und trieb seine Hetze voran. Er war Initiator vieler optischer antisemitischer Zeichen und der Boykotte gegen Juden. So übernahm er 1933 den Vorsitz des „Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Gräuel- und Boykotthetze”.

“Nein, das sind wir auch nicht, aber Julius Streicher, der mit einigen anderen die Judenhetze angezettelt hat, hasst die Juden so sehr, dass er sie am liebsten alle aus Deutschland rausschmeißen würde, damit es nur noch sogenannte reinblütige Deutsche gibt.”
(Daniel, mein jüdischer Bruder; S. 80)

Einige Sanktionen gegen die Juden, die auch im Buch erwähnt werden, waren z.B. :

  • Juden müssen ihre KFZ- und Führerscheine abgeben
  • Wertsachen müssen abgegeben werden (Schmuck, Bargeld etc.)
  • jüdische Ärzte dürfen keine Arier mehr behandeln und dürfen sich auch nicht mehr ‘Arzt’, sondern nur noch ‘Krankenbehandler’ nennen
  • Frauen ohne jüdischen Namen müssen als Zweitnamen ‘Sarah’ annehmen
  • Ehen und auch Freundschaften werden verboten zur Erhaltung der Reinheit des Blutes
  • Juden dürfen nicht mehr in die Schule gehen und auch keine öffentlichen Plätze mehr aufsuchen
  • Kindern wird gelehrt, dass sie sich mit Äußerungen zurück halten müssen und es immer stimmt, was in der Schule gelehrt wird

Streicher sorgte auch noch vor der Reichspogromnacht dafür, dass die Hauptsynagoge in Nürnberg abgerissen wird.

Die Hetze, die vor allem aus Richtung Streichers gegen die Juden kommt, ist heute kaum noch nachvollziehbar. Auch wenn man akzeptiert, dass Streicher vielleicht sehr verbittert über die Niederlage im ersten Weltkrieg war, so ist es kaum vorstellbar wie ein solcher Hass gegen eine ganze Menschengruppe entstehen und verbreitet werden konnte und dennoch ist es geschehen.

Aber auch innerhalb seiner eigenen Partei und Genossen war er als unangenehmer Zeitgenosse bekannt, von dem damals auch schon gesagt wurde, dass er ‘nicht ganz zurechnungsfähig’ sei. So bereicherte er sich an den Abgaben der Juden, was eigentlich nur dem Reiche vorbehalten war, nicht jedoch ihm als Einzelperson. Ebenso wurde er beschuldigt aggressiv gegenüber anderen Genossen zu sein, auch hochrangigen und übergriffig gegenüber Frauen. Er war zu diesem Zeitpunkt übrigens verheiratet und hatte zwei Kinder. So kam es dazu, dass er 1940 aller Ämter enthoben wurde, da er den Schutz Hitlers genoss, durfte er seinen Titel allerdings weiter tragen und ebenso auch seine Zeitschrift und den dazugehörigen Verlag behalten, der ihn zum Millionär gemacht hatte.
Seitdem lebte er außerhalb von Nürnberg, das er nicht mehr betreten durfte auf dem sogenannten Streicher-Hof.

1945 wurde Streicher inhaftiert und behauptete während des Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, dass er vom Genozid an der jüdischen Minderheit nichts gewusst hätte, er wollte lediglich die ‘Fremdlinge’ nicht im Land haben, bevor einschränkte, die Gerüchte um die Menschen-Vernichtung nicht geglaubt zu haben. Die Forderungen nach Vernichtung in seinem “Der Stürmer“ hätten etwas anderes bedeuten sollen.

Streicher wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch Strang verurteilt. Am 16. Oktober 1946 wird Julius Streicher in Nürnberg hingerichtet.

Gewinnspiel

gewinn_thumbZu gewinnen gibt es ein Printexemplar des Buches, handsigniert von der Autorin! Mitmachen lohnt sich also absolut!

Um zu gewinnen beantwortet einfach die Fragen auf unseren Blogs. Meine heutige Frage an euch:

Glaubt ihr, dass heutzutage in unserer Gesellschaft eine solche Hetze noch wirksam möglich war wie Julius Streicher sie – leider erfolgreich –  gegen die Juden betrieben hat?

Keine Sorge, falsche Antworten gibt es nicht!

Teilnahmebedingungen
– Das Gewinnspiel endet am 23.07.2016 um 23:59 Uhr
– Verlost wird zweimal das Buch: “Daniel, mein jüdischer Bruder” einmal signiert und einmal vorsichtig gelesen, der Gewinn wird nicht als Geldwert ausgezahlt
– Gewinnberechtigt ist nur, wer die Gewinnspielfrage korrekt beantwortet! Und diese findet ihr auf jedem Blog extra (also wirklich lesen 😉 )
– Wir brauchen eine Möglichkeit, euch im Gewinnfall zu kontaktieren: hinterlasst in eurem Kommentar wahlweise eure eMail-Adresse oder einen Link zu eurem Account auf Facebook / Twitter / Lovelybooks /
– Die Gewinner werden mittels der angegebenen Kontaktmöglichkeit informiert
– Teilnahmeberechtigt sind nur Menschen mit Wohnsitz in Deutschland.
– Wenn ihr unter 18 seid, brauchen wir im Gewinnfall das Einverständnis eurer Eltern bzw Vormunds
– Die Teilnahme ist kostenlos
– Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptiert ihr diese Teilnahmebedingungen.
– Keine Garantie bei Postverlust
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
– Ihr könnt euch, indem ihr uns ehrliche Kommentare und die Frage beantwortet ein Los sammeln, und am Ende werdet ihr alle in einem großen Topf geworfen und zwei von euch haben Glück das Buch gewinnen zu dürfen.

Blogtour Stationen

18. Juli 2016 Buchvorstellung bei Nicole von About Books (HIER!)
19. Juli 2016: Rundgang Nürnberg bei Nicole von Goldkindchen
20. Juli 2016: Julius Streicher bei Nicole von About Books (auch HIER! ;))
21. Juli 2016: Jüdische Feste bei Mikka von Mikka liest
22. Juli 2016: Auswanderung bei Rena von Analog 2.0
24. Juli 2016: Gewinnspielauslosung auf allen Blogs

7 thoughts on “Blogtour zu Daniel, mein jüdischer Bruder – Tag 3: Julius Streicher

  1. Pingback: Blogtour zu Daniel, mein jüdischer Bruder – Tag 1: Buchvorstellung - About BooksAbout Books

  2. Morgen schön 🙂
    Als erstes finde ich mag man das alles was leider zur heutigen Geschichte gehört ja gerne verbannen doch leider wird das immer ein Teil bleiben! Hetze gibt es doch heute noch immer, egal wo und gegen wem. Sei es gegen Tiere die vom Aussterben bedroht sind ,noch wo mit Propaganda geworben wird in der Hoffnung auf neue Anhänger die für das vermeintlich gute andere in den Tod reißen!
    LG Jenny
    jspatchouly@gmail.com

  3. Hallo und guten Tag,

    ja, wenn man sich ganz aktuell das Geschehen in der Türkei anschaut. Ja, da wird gehetzt und entsprechend Menschen ihrer Arbeit und des Broterwerbes beraubt……

    Mehr möchte ich dazu nicht sagen…O.K.

    LG..Karin…

  4. Hallo Nicole

    Ja…es ist Koch heute möglich und das finde ich echt schlimm. Aber heute gibt es viel mehr Menschen, die dagegen angehen und für ein friedliches Miteinander kämpfen 🙂

    Danke das du mir Julius vorgestellt hast…über ihn wusste ich noch gar nicht so viel.

    LG Eva

    BookLover85@gmx.de

    • Hallo Nicole

      Ja…es ist noch heute möglich und das finde ich echt schlimm. Aber heute gibt es viel mehr Menschen, die dagegen angehen und für ein friedliches Miteinander kämpfen 🙂

      Danke das du mir Julius vorgestellt hast…über ihn wusste ich noch gar nicht so viel.

      LG Eva

      BookLover85@gmx.de

  5. Hallo Nicole,

    ich kannte Julius Streicher ehrlich gesagt gar nicht, obwohl ich schon viel über den Holocaust gelesen habe und sogar in Franken – wenn auch nicht in Nbg. – lebe. Jetzt habe ich wieder was Neues gelernt, danke!

    Ich fürchte, ja, es ist immer noch möglich, Menschen mit Hetze zu beeinflussen. Das erleben wir in vielen Ländern, und nicht nur in den muslimischen Ländern. Man muss doch nur mal auf den aktuellen Präsidentschaftskandidat in den USA schauen… Und auch was AfD, NPD etc. betreiben, ist Hetze, die teilweise auf fruchtbaren Boden fällt. 🙁 Vor allem wenn Menschen Angst vor etwas haben, lassen sie sich vieles einreden. Ich glaube, dass das auch in Deutschland immer schlimmer wird, nachdem es nun auch hier mit dem Terror losgegangen ist (Erst vor wenigen Tagen in meiner Stadt und nun in München, ganz furchtbar, es ist unfassbar.).

    LG, Bianca

  6. Hallo,

    ich denke schon, dass das noch möglich ist, ich finde auch dass es mittlerweile bzgl. der Asylbewerber leider schon wieder teilweise in die Richtung geht…

    LG

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