Jólabókaflóð – Die schönste Weihnachtstradition

Jólabókaflóð – ein Wort, das die meisten von uns vermutlich nicht einmal richtig aussprechen können. Und dennoch verbirgt sich dahinter etwas, was uns Bücherwürmer sicherlich sehr gefällt. Eine isländische Tradition, die mit Büchern und mit Weihnachten zu tun hat …

buecherbaum

Eine isländische Tradition

Jólabókaflóð, man spricht es Jolabokaflod aus, bedeutet übersetzt soviel wie Bücherflut und beschreibt die isländische Tradition zu Weihnachten Bücher zu verschenken. Kling normal, oder? Immerhin liegen hierzulande auch häufig mal Bücher unter dem Weihnachtsbaum. Aber in Island ist das trotzdem anders.

Alles begann bereits nach dem 2. Weltkrieg, als die Alliierten Island besetzten. Schon damals machten die Isländer ihre Not zur Tugend und förderten das, was sie selbst produzieren konnten und das waren Bücher. So waren bereits im Jahre 1950 schon sagenhafte 10 % aller Bewohner von Islands Hauptstadt Reykjavik in der Buchbranche beschäftigt. Eine irre Zahl!

So kam es also, dass in Island schon immer viele Bücher verschenkt und natürlich auch konsumiert wurden. Es wurde eine Tradition, dass zu Weihnachten unter dem Baum vor allem Bücher und Schokolade lag. Und auch heute noch liegt.

Eine Bücherflut zu Weihnachten

Den gesamten Tag des Heiligabends geht es in Island noch gesellig zu. Man sitzt zusammen, isst, trinkt und hat Spaß. Aber nach der Bescherung, wird es sich am Abend, bis in die Nacht, mit einem Buch und Schokolade auf dem Sofa oder im Bett oder an einem anderen Ort nach Wahl gemütlich gemacht.

Klingt traumhaft, oder? Generell steht der Winter in Island traditionell für Literatur. Der überwiegende Teil aller Neuerscheinungen in Island wird im späten Herbst veröffentlicht. Das besondere ist, dass diese Neuerscheinungen alle in einem Katalog zusammen gefasst werden, dem Bókatíðindi. Und dieser wird tatsächlich kostenfrei an ALLE Haushalte des Landes verschickt.
Man stelle sich mal vor, so etwas würde in Deutschland passieren. Okay, zugegeben, hierzulande wohnen nicht nur viel mehr Menschen, hier erscheinen pro Jahr auch über 100.000 neue Bücher mehr als in Island. Das wäre also eine schiere Masse, die nicht zu bewältigen wäre.

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Literatur in Island

Ich finde es wirklich toll und beneidenswert, welche Stellung Literatur in Island einnimmt. Die Isländer selbst sagen über sich: “Die eine Hälfte der Bewohner liest, die andere schreibt.” Nirgendwo werden pro Kopf mehr Bücher veröffentlicht und auch verkauft wie in Island. Und das auch heute noch, neben all den modernen Medien.

Das klingt alles toll, oder? Ich bin jedenfalls sehr neidisch auf die Isländer, die auch in diesem Jahr unter dem Baum wieder zahlreiche Bücher finden werden und die Zeit über Weihnachten und wohl auch zwischen den Jahren hauptsächlich mit Lesen verbringen können.

Bei mir ist das in den letzten Jahren leider immer seltener geworden, dass ich Bücher geschenkt bekomme. Es traut sich kaum noch jemand mehr mir welche zu schenken. Und das trotz meiner ellenlangen Wunschliste ;)

Wie sieht es denn bei euch aus? Wie findet ihr diese isländische Tradition? Und findet ihr unter dem Baum häufiger Bücher?

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