54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe von Marieke Nijkamp

54minuten

Fischer FJB Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 336 Seiten | 14,99 Euro | September 2017 | Originaltitel: This Is Where It Ends |Übersetzer: Mo Zuber | ISBN: 978-3841440167

Inhalt

(lt. amazon.de):

Nr. 1 »New York Times«-Bestseller

Marieke Nijkamps packender Roman, der zum Riesenüberraschungserfolg in den USA wurde, behandelt ein brisantes Thema und wirkt wie ein Echo aktueller Ereignisse: Amok in der Schule.

54 Minuten, die alles zerstören

Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Dirketorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.

Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen.
Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm unrecht getan haben.
Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist.

Gewähltes Zitat

»Ich will nicht mehr allein sein.«
Die Dinge haben sich verändert zwischen uns. Wir müssen herausfinden, wer wir sein wollen, wer wir sein können, wer wir sind.

(S. 192)

Meine Meinung

Es scheint ein ganz normaler Schultag zu sein. Während Autumn und Sylv mit den meisten ihrer Mitschüler in der Aula der neuen Ansprache der Direktorin lauschen und Tomás zur selben Zeit ins Büro der Schule einbricht um an Informationen zu gelangen, läuft Claire mit ihrer Laufgruppe den Ascheplatz entlang als plötzlich Schüsse zu hören sind. Tyler ist wieder in der Schule. Und er hat eine Waffe, die er auch gebraucht. Innerhalb von 54 Minuten wird das Leben an der Opportunity High School für alle ganz anders …

In den letzten Jahren nahmen Amokläufe in Schulen immer mehr zu und schon viele Autoren versuchten darüber – mehr oder weniger erfolgreich – zu schreiben. Auf dieses Buch von der niederländischen Autorin Marieke Nijkamp, die zwar in den Niederlanden wohnt, aber auf Englisch schreibt, war ich ziemlich gespannt.
In den USA war dieser Roman bereits auf den Bestsellerlisten und es spielt auch in den USA, in Alabama.

Nijkamp beschreibt einen Zeitraum von insgesamt 54 Minuten an einem Vormittag, wenn man vom Epilog mal absieht, und erzählt die Geschichte aus der Sicht von vier Jugendlichen.
Sylv und Tomás sind Geschwister und haben ein sehr enges Verhältnis. Sie würden alles füreinander tun. Autumn ist die Freundin von Sylv, was aber bislang die wenigsten wissen. Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater gewalttätig und ihr Bruder ist Tyler, der Attentäter, der seine Schwester für seine Misere mit verantwortlich macht. Claire ist in der Laufgruppe der Schule und die Ex-Freundin von Tyler. Sie alle kennen sich mehr oder minder gut, aber sie alle haben irgendeine Verbindung zu Tyler.
Wir lernen im Laufe der Geschichte noch weitere Figuren kennen, aber aus der Sicht dieser vier Jugendlichen wird die Geschichte erzählt.

Obwohl es ein wirklich heikles Thema ist, wahrt die Autorin hier bis zum Schluss die Distanz. Ich habe mich nie komplett in die Geschichte involviert gefühlt, ich habe mit den Figuren zwar mitgefiebert und bin selbst wie in Trance durch die Geschehnisse gehetzt, aber ohne da wirklich emotional tief drin zu stecken. Das finde ich bei solchen Geschichten tatsächlich eher gut als schlecht. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Menschen in solchen Extremsituationen auch tatsächlich ähnlich geht, trotz der Angst, einfach aus einem Schutzmechanismus heraus. Man funktioniert. So habe ich es als Leser auch während des Lesens empfunden und das war auch gut so.
Erst zum Ende, beim Epilog, als quasi schon alles vorbei war, musste ich selbst ziemlich schlucken und mir die Tränen verkneifen, denn erst da ist mir selbst begreiflich gewesen, was auf den vorhergegangenen Seiten alles passiert war. Das fand ich schon eine mega-Leistung der Autorin. Wirklich sehr, sehr gut geschrieben.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen und trotz vieler Ereignisse, die für alle Figuren des Buches nicht leicht zu bewältigen waren, hat auch jeder sein eigenes Päckchen getragen und auch hin und wieder bei seinem Nachbarn mit angefasst. Nur Tyler, der Täter in diesem Buch, hat diese Bürde nicht mehr tragen können. Die Gründe dafür waren vielfältig und kamen hier teils ein wenig zu kurz. Andererseits gibt es aber auch eigentlich keinen Grund, der eine solche Tat rechtfertigen könnte. Diese Botschaft ist auch ganz klar angekommen.

Fazit

54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe von Marieke Nijkamp hat mich sehr an die Seiten gefesselt und obwohl ich als Leser immer die emotionale Distanz wahren konnte, habe ich selbst erst auf den letzten Seiten wirklich begriffen was in der kurzen Zeit alles geschehen war. Eine tolle schriftstellerische Leistung von Marieke Nijkamp!

Meine Wertung

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