Vollendet 1: Die Flucht von Neal Shusterman

Schon als ich Vollendet von Neal Shusterman erstmals vor sechs Jahren las, war ich unglaublich beeindruckt von dieser Geschichte! Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem ich solche eine durchdringende Gänsehaut bekommen habe. Jetzt Ende März erscheint auch in Deutschland endlich der vierte und letzte Band dieser Reihe! Ein Grund für mich, die Reihe noch einmal komplett zu re-readen und das in ihrer neuen Auflage aus broschierte Ausgaben!

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Sauerländer Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 480 Seiten | 14,00 Euro | August 2018 | Originaltitel: Unwind | Übersetzer: Dr. Anne Emmert, Ute Mihr | ISBN: 978-3733504434

Inhalt

(lt. amazon.de):

Sie sagen, dass du weiterlebst. Sie lügen.
Connor, 16 Jahre alt und ständiger Unruhestifter, hat es längst geahnt, doch nun steht es fest: Er soll umgewandelt werden. Seine Eltern haben seinen Körper vollständig zur Organspende freigegeben. Und zwar nicht erst nach seinem Tod. Sondern sofort.
Risa ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und darf nicht länger auf Kosten des Staates leben. Auch sie soll umgewandelt werden.
Als ihre Wege sich unerwartet treffen, müssen Connor und Risa sich blitzschnell entscheiden – Flucht oder Umwandlung? Können sie dem System entkommen, das Jagd auf Menschen wie sie macht?

Gewähltes Zitat

»Wenn du stirbst, kommst du wenigstens in den Himmel.«
Himmel? Connor hält es für wahrscheinlicher, weiter unten zu landen. Wenn nicht einmal ihre eigenen Eltern sie genug lieben, um sie zu behalten, was haben sie dann im Himmel zu suchen?

(S. 211)

Meine Meinung

In der Zukunft schützt die „Charta des Lebens“ Kinder vor der Abtreibung vor der Geburt. Auch bis zum 13. Lebensjahr wird ihr Leben geschützt und dann wieder ab dem 18. Lebensjahr. Dazwischen, also mitten in der Pubertät, wenn Kinder auch mal schwierig werden und Eltern sie sich zum Mond wünschen, kann ein Kind allerdings sozusagen im Nachhinein abgetrieben werden. Umwandlung – das heißt, dass ein Kind fast zu 100% wieder verwertet wird. All seine Organe und Körperteile werden aufbereitet und einem anderen Menschen wieder zur Verfügung gestellt. Organspenden sind also nicht mehr nötig. Wir würden es heute Mord nennen, Ausbeutung, in der Zukunft nennt man es Umwandlung…

Das Buch beginnt mit der „Charta des Lebens“ und schon auf dieser ersten Seite dieser Ausführungen musste ich stutzen und dachte, ich hätte nicht richtig gelesen. Der Text auf dem Buchrückencover deutet die Handlung nur ansatzweise an, die Charta sagt da schon direkt auf der ersten Seite viel mehr aus. Schon alleine diese erste Seite ließ mich wirklich sprachlos und nachdenklich zurück, noch bevor ich überhaupt das erste Kapitel gelesen hatte.
Eine solche Idee – unfassbar. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es eine annähernd zufriedenstellende Begründung für eine solche Tat gibt, die dann auch noch von der Gesellschaft mit der größten Selbstverständlichkeit unterstützt wird. Ich finde es immer noch unfassbar, jetzt wo ich das Buch zu Ende gelesen habe. Und jetzt bin ich sogar noch fast erschrockener als noch zu Beginn, denn die Ausführungen des Autors wirken über weite Teile so realistisch, dass ich in meinen Lesepausen zwischendurch immer darüber nachdenken musste, ob so eine Regelung hier in unserem recht kinderfeindlichen Land nicht auch irgendwann einmal Unterstützer finden würde…

Neal Shusterman hat hier wirklich ein unfassbares Szenario erdacht und daraus ein verdammt gutes Buch gemacht, das sieben Teile umfasst und sich wirklich gut lesen lässt, obwohl Shusterman auf große Emotionen verzichtet und die Geschehnisse recht nüchtern schildert. Aber ich glaube, gerade diese Objektivität hat mir so gut gefallen. Das Grauen wirkte hierdurch noch viel realer und nachvollziehbarer. Und grausam war es wirklich. Es floss zwar groß kein Blut und es wurde auch nicht groß Gemetzelt, aber vor allem die Beschreibung einer Umwandlung war, so subtil auch alles angedeutet wurde, einfach nur gruselig und beeindruckend.

Gerade bei einer Szene am Ende musste ich mit einer dicken Gänsehaut kämpfen, so beklemmend war die Situation, dass ich es kaum erfassen konnte.

Ein paar minimale Kritikpunkte könnte ich schon anmerken. An einigen Stellen kam mir das ganze dann doch ein wenig abwegig vor und hier und da wären ein paar weitere Informationen ganz nützlich gewesen (vor allem zu den gesellschaftlichen und politischen Strukturen), aber insgesamt nichts, was mich wirklich besonders gestört hätte und eigentlich wirklich meckern auf hohem Niveau.

Das Bonuskapitel, dass es in dieser Neuauflage gibt, befasst sich übrigens mit Roland und erzählt ein wenig von seiner Geschichte. Ideal, um auch diesen Unsympathen ein wenig besser verstehen zu lernen.

Fazit

Ja, Neal Shusterman hat mich mit Vollendet damals wie heute wirklich nachdenklich gemacht. In vielerlei Hinsicht. Ich finde gar keine wirklichen Worte für mein eigentliches Fazit, ich möchte hierfür nur eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen. Fünf Sterne von mir, mich hat dieses Buch mal wieder tief beeindruckt!

Meine Wertung

Reihe

Vollendet

Band 1: Die Flucht

Band 2: Der Aufstand

Band 3: Die Rache

Band 4: Die Wahrheit

Special

Interview mit Neal Shusterman

One thought on “Vollendet 1: Die Flucht von Neal Shusterman

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