Der Nachtwandler – Sebastian Fitzek

dernachtwandler

Knaur Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 320 Seiten
9,99 Euro
März 2013
ISBN: 3426503743

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Inhalt (lt. amazon.de):
In seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit …

Kommentar:
Leon wacht eines Nachts auf und entdeckt seine Freundin im ziemlich desolaten Zustand, wie sie gerade ihre Sachen zusammen packt um auszuziehen. Er weiß nicht, wie sie so zugerichtet wurde und warum sie auszieht und hat Angst, dass er wieder im Schlaf gewandelt ist und ihr selbst vielleicht diese Grausamkeiten angetan hat. Ein Problem, wegen dem er schon in seiner Kindheit in psychiatrischer Behandlung war. Als Natalie weg ist fängt er an nachzuforschen und stößt auf immer mehr Hinweise, dass er im Schlaf tatsächlich Dinge anstellt, an die er sich später nicht mehr erinnern kann. Schlimme Dinge …

Von Sebastian Fitzek ist man ja bereits einiges gewohnt. Mit ihm hatte ich schon viele schlaflose Nächte, bzw. natürlich mit seinen Büchern. So war es auch wieder mit dem „Nachtwandler“.
Optisch ist das Buch mal wieder recht ansprechend gestaltet. Der Schutzumschlag ist so gedruckt und gefaltet, dass der Buchinhalt einmal komplett eingeschlagen werden kann. Auf dem normalen Buchrücken steht wie üblich dann der Titel und auf dem Schnitt, der eingeschlagen ist, prangt ein Tresor mit Kombination. Was es damit auf sich hat, das weiß man, wenn man das Buch schließlich gelesen hat.
Durch die vielen kurzen Kapitel, die bei Fitzek ja mittlerweile Standard sind, lässt sich dieser knapp über 300 Seiten starke Thriller auch wieder schnell weg lesen. Die Zeit sollte man sich auch nehmen, denn eine Pause machen ist nahezu unmöglich.

Inhaltlich kommt Fitzek dieses Mal mit denkbar wenig Figuren und Schauplätzen aus. Nahezu die gesamte Handlung spielt sich im Haus in dem Leon wohnt ab. Dadurch agiert er als Hauptfigur auch nur mit wenig anderen Protagonisten, so dass einem alles ein wenig isoliert vorkommt. Genau dieser Umstand sorgt allerdings für eine noch beklemmendere Atmosphäre als es die Handlung eh schon impliziert.

Der Leser erlebt alles aus Leons Sicht und genauso wie Leon war auch ich teilweise sehr verwirrt über die Geschehnisse und neusten Entdeckungen. Fitzek treibt hier ein wirklich ordentliches Verwirrspiel und immer wenn man denkt, man wüsste nun woran man ist, gibt es eine erneute verrückte Wendung. Auf das gesamte Ausmaß des Schreckens kann man wohl nicht kommen, aber richtige Ideen und Hinweise schon. Und genau das macht die Sache auch wieder interessant. Man liegt ja nicht total falsch, aber die komplette Wahrheit ist es trotzdem nicht.

Am Ende des Buches ist man erschlagen von so viel Grausamkeiten und menschlichen Abgründen, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das gedruckte Foto mit dem wirklich ansehnlichen, jungen Mann im Umschlaginneren des Buches wirklich Herr Fitzek ist, denn eigentlich stellt man sich jemanden mit solcher Fantasie doch eher wie ein hässliches und grausames Monster vor.
„Der Nachtwandler“ ist auf jeden Fall eines seiner besseren Bücher. Insgesamt hierfür wieder fünf Sterne!

Aber Mutter weinet sehr – Wolfgang Brenner

abermutterweinetsehr Albrecht Knaus Verlag
Gebundene Ausgabe
ca. 288 Seiten
16,99 Euro
September 2012
ISBN: 3813505030Bestellen bei Amazon.de

Inhalt (lt. amazon.de):
Es ist der Alptraum aller Eltern: Der kleine Johann kommt eines Abends vom Spielen nicht nach Hause. Der Vater verständigt die Polizei, die Mutter fühlt sich wie gelähmt. Und hegt schon bald den Verdacht, dass das Leben ihres Jungen für die Polizei nicht oberste Priorität hat. Doch einer Mutter geht es nur um ihr Kind, eine Mutter tut alles, um es zurückzubekommen. Dafür trifft sie sich sogar heimlich mit dem Entführer. Ein fatales Katz-und-Maus-Spiel nimmt seinen Lauf …

Kommentar:
In diesem Roman geht es um Marie und Robert, deren Sohn Johann entführt wird. Ein Ermittlerteam macht sich an die Arbeit, die Mutter ist außer sich und ruft den Täter auf sich öffentlich zu seiner Tat zu bekennen, was dieser auch promt macht. Allerdings nur gegenüber Marie, die ihn natürlich auch nicht der Polizei meldet, da sie sich erhofft ihren Sohn wieder zu bekommen. Nachdem sie den Entführer jedoch verärgert reißt der Kontakt ab, bis ihn Marie ein Jahr später wieder trifft und erkennt und die Ermittlungen wieder in die eigene Hand nimmt …

Um Kindesentführung drehen sich viele Bücher, auch viele Psychothriller und ich war sehr gespannt, was mir hier für eine Geschichte geboten würde. Leider wurde ich sehr enttäuscht.
Zunächst einmal finde ich, dass es sich bei diesem Werk nicht um einen Psychothriller handelt. Nicht einmal um einen einfachen Thriller, sondern lediglich um einen Kriminalroman. Leider allerdings um keinen wirklich guten.

Auf den knappen 300 Seiten kommt so gut wie keine Spannung auf, die gesamte Handlung ist total vorhersehbar, ebenso das Ende, erzählt wird absolut monoton, ohne viele Emotionen, Höhen oder Tiefen. Die Figuren handeln allesamt total stereotyp und bedienen jegliche Klischees (guter Bulle, böser Bulle, histerische Mutter, verblendete Geliebte, …). Besonders nervig fand ich die Figur der Mutter Marie, die die Hauptfigur in diesem Buch darstellte, die so naiv und dumm war, dass man einfach nur den Kopf schütteln sollte vor so viel Einfältigkeit. Ebenso kann man übrigens über jede weibliche Figur in diesem Buch nur den Kopf schütteln.
Hinzu kommt noch, dass die Beweggründe absolut unzureichend geschildert werden, Marie handelt eigentlich die gesamte Geschichte über nur als Marionette des Autors, ohne jegliche Eigeninitiative, die doch auch Romanfiguren besitzen sollten, damit die Geschichten authentisch und glaubhaft werden.

Man hört aus meinem Kommentar heraus, dass mir dieses Buch überhaupt nicht gefallen hat. Für mich war die Lektüre dieses Buches einfach nur vergeudetet Zeit und alles andere als Vergnügen, so leid es mir auch tut und so sehr ich mich auch darauf gefreut habe. Weiterempfehlen kann ich das nicht.

Tausendschön – Kristina Ohlsson

tausendschoen Limes Verlag
Hardcover Ausgabe
Originaltitel: Tusenskönor
ca. 464 Seiten
19,99 Euro
September 2012
ISBN: 3809025925

Herzlichen Dank an den L!mes-Verlag
limes
und an
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für dieses Buch!

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Inhalt (lt. amazon.de):

Wann haben Sie zuletzt Gutes getan?
Ein junges Mädchen wird am Mittsommerabend überfallen und vergewaltigt. Fünfzehn Jahre später stirbt ein Mann bei einem Unfall mit Fahrerflucht, doch niemand scheint ihn zu vermissen. Zeitgleich begehen ein Pfarrer und seine Frau Selbstmord. Oder hat es nur den Anschein?
Das Ermittlerteam um Alex Recht und Fredrika Bergman wird auf die Fälle angesetzt. Die augenscheinlichen Einzeltaten entpuppen sich als ein Geflecht der Abhängigkeiten, in dessen Zentrum eine Kirchengemeinde steht …

Kommentar:

Das Buch beginnt mit einem schlimmen Erlebnis, Jahre bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Natürlich weiß der Leser, dass dieses vergangene Ereignis etwas mit den aktuellen Geschehnissen zu tun haben muss, aber was, das bleibt erst einmal eine Weile im Dunkeln.
In der Gegenwart wird ein Ehepaar tot aufgefunden. Alles sieht zunächst nach einem Selbstmord aus, aber die Ermittler wollen nicht so ganz daran glauben.
An anderer Stelle wird ein Mann überfahren aufgefunden. Niemand weiß wer er ist oder wo er herkommt.

Kristina Ohlsson erzählt diese Geschichte mit Hilfe vieler unterschiedlichen Handlungsstränge, die auf dem ersten Blick erst einmal gar nichts miteinander zu tun haben. Nicht selten benutzt sie für die agierenden Figuren gar keine Namen, so dass der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen muss, die natürlich in eine ganz andere Richtung deuten. Diese Verwechslung ist natürlich gewollt, denn so gelingt es der Autorin natürlich ein mehr Spannung zu bewahren und Verwirrung zu stiften. Langjährige Krimi- und Thriller-Leser werden dies aber schnell durchschauen und trotzdem schnell auf der richtigen Fährte sein.

Die Handlung an sich ist eigentlich recht interessant. Es geht um Flüchtlinge und die Migrationspolitik. Allerdings in Schweden und damit nicht aus deutscher Sicht, was zumindest mir es etwas schwer gemacht hat mich so auf diese Handlung einzulassen, denn in dieser Art kenne ich die Thematik nicht wirklich. Ich drücke mich hier absichtlich ein wenig schwammig aus, um nicht so zu viel von der Handlung vorweg zu nehmen. Nur soviel sei gesagt: Das Buch spielt in Schweden und dort geht es bekanntlich etwas anders zu.
Nichtsdestotrotz hat mich die Handlung aber neugierig auf die Thematik gemacht, vor allem aus der Sicht wie es hierzulange zugeht und auch, ob es in Schweden wirklich so läuft, wie in diesem Buch geschildert, was wohl in Hinsicht darauf, dass die Autorin Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen ist, wahrscheinlich scheint. Dennoch war ich sehr überrascht, dass diese doch schwierige Thematik im Buch so einfach umzusetzen war.

Die Figuren fand ich in diesem zweiten Fall für Alex Recht und Fredrika Bergmann weniger gut gelungen. Bis auf das Ermittlerteam fand ich nahezu alle Personen wenig glaubwürdig und nicht wirklich authentisch agierend. Mit Wahnsinn lässt sich zwar viel erklären, aber auch da hört es irgendwann auf glaubhaft zu sein. Die Ermittler fand ich dagegen sehr gut gelungen und umgesetzt. Die Geschichten der Ermittler, die im Hintergrund liefen, fand ich sehr interessant und gut nachvollziehbar. Gerade das macht auch Lust auf weitere Krimis rund um dieses Team, denn man will ja schon gerne wissen, wie es mit den Figuren weiter geht, denn dies bleibt in einigen Fällen dann doch noch offen.

Insgesamt ein eigentlich interessantes Buch mit einer interessanten, aber leider doch recht bemühten Thematik und leichten Schwächen was die Glaubhaftigkeit betrifft. Ich vergebe hier drei gute Sterne.

Böser Wolf – Nele Neuhaus

boeserwolf Ullstein Verlag
Gebundene Ausgabe
ca. 480 Seiten
19,99 Euro
Oktober 2012
ISBN: 3550080166

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Inhalt
(lt. amazon.de):
An einem heißen Tag im Juni wird die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main bei Eddersheim geborgen. Sie wurde misshandelt und ermordet, und niemand vermisst sie. Auch nach Wochen hat das K 11 keinen Hinweis auf ihre Identität. Die Spuren führen unter anderem zu einer Fernsehmoderatorin, die bei ihren Recherchen den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität. Und dann wird der Fall persönlich.

Kommentar:
Beworben mit „Die beste Neuhaus aller Zeiten“, war ich natürlich sehr gespannt auf den sechsten Fall für Iliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Die Leseprobe, die ersten Seiten, die ich bereits als Leseprobe im Vorfeld lesen konnte, las sich schonmal spannend und versprach ein Wiedersehen mit alten Kollegen. Da ich die Figurenentwicklung gerade in dieser Reihe bisher sehr spannend fand, war ich sehr gespannt wie es nun mit dem Ermittlerteam weiter gehen würde.

Der Fall beginnt einigermaßen schleppend. Eine Mädchenleiche wird aufgefunden, misshandelt und missbraucht. Wochenlang gibt es keine Hinweise, die Ermittler kommen nicht weiter. Wie von Nele Neuhaus gewohnt, gibt es auch in diesem Buch von Anfang an mehrere Handlungsstränge, die man zunächst nicht miteinander in Verbindung bringen kann und sich fragen muss, was denn hier überhaupt wichtig ist.

Obwohl dieser Fall wirklich sehr weit reicht und sehr vertrackt ist, hatte ich dieses Mal ausnahmsweise wenig Probleme mich zurecht zu finden und die Handlungsstränge richtig zuzuordnen. Gerade das hat mir sehr gefallen, denn so konnte ich ein wenig mit ermitteln.
Dieser Fall überschneidet sich dieses Mal auch sehr mit den privaten Umständen und Kontakten des Ermittlerteams und eigentlich sogar des gesamten K11s. Das Wiedersehen mit dem Ex-Kollegen Behnke hat mir gut gefallen, der arme Kerl kann einem ja fast leid tun, jedenfalls wenn man in den letzten Bänden nicht mitbekommen hätte, was für ein unsagbares Ekel er war.

Der Fall an sich ist sicherlich einer der mitreißendsten und intensivsten gewesen, aber das bringt wohl schon allein die Thematik mit sich. Dafür hat die Autorin es geschafft diese wohl schlimmsten Verbrechen, die man überhaupt begehen kann, relativ distanziert zu schildern, wofür ich ihr recht dankbar bin. Jeder, der selbst Kinder hat, wird wohl verstehen was ich meine.

Für mich war dieses Buch tatsächlich die beste Neuhaus bisher. Vielleicht auch die beste aller Zeiten, aber das wird sich noch zeigen müssen.

Wer Wind sät – Nele Neuhaus

werwindsaet Ullstein Taschenbuch Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 560 Seiten
9,99 Euro
Juni 2012
ISBN: 3548284671

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Inhalt
(lt. amazon.de):
Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen: Ein Nachtwächter lag mehrere Tage unentdeckt in einem Firmengebäude. Schnell wird klar, es war Mord. Gemeinsam mit Oliver von Bodenstein ermittelt Pia im Umkreis einer Bürgerinitiative, die gegen einen geplanten Windpark kämpft. Dabei stoßen sie auf ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen wert ist – und einen Mann das Leben kostet …

Kommentar:
Ein toter Nachtwächter wird in einer Firma entdeckt. Seine Leiche lag bereits einige Tage dort. Zunächst sieht alles nach einem Unfall aus, aber irgendetwas stimmt nicht. Was hat es mit dem toten Hamster auf sich, der auf dem Schreibtisch des Chefs gefunden wird?
Die selbe Firma versucht eine Wiese aufzukaufen um einen Windpark zu errichten, gegen den sich die Bürger allerdings wehren. Trotz eines Millionenangebots wird die Wiese nicht verkauft. Plötzlich stirbt der Besitzer der Wiese…

Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass ich dieses Buch für das bislang schwächste der Reihe halte. Der Fall und die Hintergründe um die es ging, die waren irgendwie dieses Mal wenig glaubhaft und ein wenig übertrieben. Das hat mir nicht wirklich gefallen. An sich war der Fall auch eher langweilig, aber die Figuren haben es rausgerissen. Nele Neuhaus hat ihre Hauptakteure hier wirklich hervorragend agieren lassen, das hat mir wirklich Spaß gemacht zu lesen, nur die Rolle der Nika hat mich einfach nicht überzeugt und klang für mich wenig nachvollziehbar. Die der anderen Figuren dafür allerdings umso mehr.

Vor allem Bodenstein stand dieses Mal im Fokus. Nach seiner gescheiterten Ehe war er eher ein psychisches Wrack und deswegen besonders interessant und auch anfällig. Während der Lektüre hatte ich zwar den einen oder anderen Moment in dem ich ihn gerne rechts und links geohrfeigt hätte, aber ich denke, das spricht nur dafür, wenn die Figuren so lebensecht rüber kommen, dass man sich auch mal über sie ärgern kann.

Von der Entwicklung der Hauptfiguren bin ich jedenfalls recht angetan, von diesem Fall allerdings eher nicht, deswegen vergebe ich auch hier nur drei Sterne, denn im Gegensatz zu den anderen Krimis der Reihe hinkt dieser fünfte Fall dann doch hinterher. Ich hoffe darauf, dass der sechste Fall wieder ein Knaller wird!

Schneewittchen muss sterben – Nele Neuhaus

schneewittchenmusssterben List Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 537 Seiten
9,95 Euro
Juni 2010
ISBN: 3548609821

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Inhalt
(lt. amazon.de):
Sulzbach im Taunus: An einem regnerischen Novemberabend wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: Vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd…

Kommentar:
Die Krimis rund um das Ermittlerteam Bodenstein und Kirchhoff haben es mir angetan. Nele Neuhaus beschreibt die Handlungen immer so authentisch und detailliert, dass es einfach eine Freude ist sie zu lesen.
Als Tobias Sartorius schließlich nach einer jahrelangen Haftstrafe wieder zurück in sein Heimatdorf kommt überschlagen sich die Ereignisse, denn die Dorfbewohner wollen ihn nicht in ihrer Nähe haben, da Tobias damals zwei Mädchen ermordet haben soll. Bodenstein und Kirchhoff ermitteln in diversen Fällen und stoßen dabei auf ein großes Geheimnis, das beinahe alle Dorfbewohner gemeinsam bewahren…

Auch dieser vierte Teil hat es wieder in sich. Nicht nur der Fall ist wieder äußerst spannend, gut durchdacht und total vertrackt, auch im Privatleben des Ermittlers Bodenstein geht es rund. Das gefällt mir sehr an den Krimis von Nele Neuhaus, die Ermittler entwickeln sich weiter, man erfährt viel Privates und fühlt mit ihnen. Dabei gestaltet die Autorin ihre Ermittler auch nicht immer nur als Sympathieträger, sondern lässt sie des Öfteren auch so agieren, dass man selbst aus Lesersicht kein wirkliches Verständnis aufbringen kann und den Kopf schüttelt. Dies bringt einem die Figuren allerdings noch näher und man hat das Gefühl die Ermittler mittlerweile selbst ein wenig zu kennen.

Was als Regionalkrimi begann hat sich also längst schon als Krimireihe der Extraklasse entpuppt und ich bin froh, dass ich nicht so lange auf den nächsten Band warten muss, denn dieser ist zum Zeitpunkt meiner Rezension ja schon längst erschienen.

Tiefe Wunden – Nele Neuhaus

tiefewunden List Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 480 Seiten
9,99 Euro
August 2009
ISBN: 3548609023Bestellen bei Amazon.de


Inhalt
(lt. amazon.de):
Der 92-jährige Holocaust- Überlebende David Josua Goldberg wird in seinem Haus im Taunus mit einem Genickschuss getötet. Bei der Obduktion macht der Arzt eine seltsame Entdeckung: Goldbergs Arm trägt die Reste einer Blutgruppentätowierung, wie sie bei Angehörigen der SS üblich war. Dann geschehen zwei weitere Morde, die Hinrichtungen gleichen. Welches Geheimnis verband die Opfer miteinander? Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff weit in die Vergangenheit: nach Ostpreußen im Januar 1945…

Kommentar:
Der dritte Fall für Bodenstein und Kirchhoff hat es in sich. Das Buch beginnt mit einem rätselhaften Mord an einen über 90jährigen jüdischen Mann, der sich nach der Autopsie als altes Mitglied der SS herausstellt. Als zwei weitere ähnliche Morde an zwei weiteren alten Menschen geschehen, ermitteln die Komissare Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein und müssen tief zurück in die Vergangenheit gehen um die Geschehnisse aufklären zu können…
„Tiefe Wunden“ hat es wirklich in sich. Wie von Nele Neuhaus gewohnt, ist auch dieser Krimi wieder sehr komplex. Die Autorin versteht es einfach die Handlung und ihre Figuren so zu beschreiben, dass der Leser das Gefühl hat, selbst alles mitzuerleben und die Personen selbst zu kennen. Die Verflechtungen innerhalb der Geschichte sind intelligent gewebt und man muss auch hier sehr aufpassen um keine Andeutung zu verpassen.
Einige Dinge scheinen auch in diesem Krimi wieder von Beginn an klar zu sein, aber das gesamte Ausmaß der Geschehnisse hat mich dann doch wieder überrascht und das schafft die Autorin einfach immer wieder.
Mir hat dieser dritte Fall also mal wieder sehr gefallen. Der geschichtsträchtige Hintergrund war spannend und wurde sehr gut dargestellt.
Schön finde ich auch, dass die Hauptfiguren des Buches, also vor allem das Ermittlerteam und dessen Angehörige, sich mit jedem Band weiter entwickeln, so gibt es auch dort immer viel neues zu entdecken und zu erfahren und allein deswegen ist es mir jetzt schon eine Freude den nächsten Band ebenfalls lesen zu können.
Insgesamt gebe ich diesem dritten Fall gute vier Sterne und werde mich schnellstens an den vierten Fall machen, denn die Krimis von Nele Neuhaus sind mittlerweile einfach mehr als lediglich Regional-Krimis.

Der Heiler – Antti Tuomainen

derheiler List Verlag
Klappenbroschur Ausgabe
ca. 217 Seiten
14,99 Euro
August 2012
ISBN: 3471350829Bestellen bei Amazon.de

 


Inhalt
(lt. amazon.de):
Die Liebe deines Lebens in den Händen eines Killers. Du allein kannst sie finden. Helsinki, im Ausnahmezustand. Ein Irrer, der mordet und Heilsbotschaften verkündet. Eine Journalistin, die ihn stellen will. Und dabei spurlos verschwindet. Es gibt nur einen, der sie retten kann. Ihr Mann macht sich verzweifelt auf die Suche. Er würde alles für sie tun. Doch das Böse ist stärker als die Liebe.

Kommentar:
Finnland in einer (hoffentlich) fernen Zukunft. Die Welt ist nicht mehr das was sie einmal war. Die Klimaveränderungen, bedingt durch Umweltverschmutzungen, haben die Welt auf den Kopf gestellt, es fehlt den meisten Menschen die Perspektive und die weiteren Zukunftsaussichten versprechen den Weltuntergang. Zu dieser Zeit mordet in Helsiniki ein Mörder Familien von Politikern und Wirtschaftsbossen, die seiner Ansicht nach schuld am Zustand der Welt sind. Er nennt sich selbst „Heiler“. Die Polizei ist mehr als nur überlastet und kann sich diesem Fall nicht entsprechend widmen. Als dann schließlich die Journalistin Johanna verschwindet und ihr Mann herausfindet, dass sie kurz zuvor Nachrichten vom Heiler erhalten hat, macht sich Tapani auf die Suche nach seiner Frau und wird immer mehr in diesen Fall verstrickt…

Zunächst einmal muss ich sagen, dass es irre ist, wie viel der Autor auf den wenigen 217 Seiten packen konnte. Leider aber war das immer noch nicht genug, denn nach Beendigung dieses Buches muss ich sagen, dass ich sehr unbefriedigt zurück gelassen werde. Für mich ist die Handlung noch überhaupt nicht geklärt, ich hätte gerne mehr erfahren über die Beweggründe der Protagonisten und auch was es mit diesem ominösen Ende auf sich hat.

Insgesamt war der gesamte Roman gar nicht mal schlecht. Die Figuren waren zwar allesamt recht monoton und eindimensional, lediglich die Hauptfigur Tapani, aus dessen Sicht der Leser auch alles erfährt sticht da ein wenig heraus, für meinen Geschmack allerdings auch nicht genug. Auch die Zufälle haben sich gehäuft, so dass es an vielen Stellen einfach sehr unglaubhaft klang. Dennoch hat mir der Stil sehr gefallen. Das Buch las sich sehr schnell weg und der Autor wusste die Spannung aufrecht zu erhalten. Ein wenig hatte ich allerdings teils das Zeitgefühl verloren, denn die Handlung spielt ja nur an drei Tagen und in denen geschieht so viel … aber nun gut.

Insgesamt hat mir das Buch also eigentlich gefallen, wenn da nicht die oben erwähnten Mängel wären, vor allem das Ende geht meiner Meinung nach gar nicht. Ich fühle mich eigentlich, als hätte ich nur ein halbes Buch gelesen, die erklärende Hälfte hat der Autor wohl schlicht vergessen. Deswegen gibt es von mir auch leider nur zwei Sterne für diesen Roman.