Du wolltest es doch von Louise O’Neill

Du wolltest es doch von Louise O’Neill behandelt ein sehr ernstes und wichtiges Thema, das der Titel bereits erahnen lässt. Ich war sehr gespannt darauf, wie diese Thematik im Jugendbuchbereich umgesetzt werden würde. Tatsächlich hat mich dieses Buch schließlich ziemlich überrascht und auch aufgewühlt  …

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Carlsen Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 368 Seiten | 18,00 Euro | Juli 2018 | Originaltitel: Asking for it | Übersetzer: Katarina Ganslandt | ISBN: 978-3551583864

Inhalt

(lt. amazon.de):

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?

Ein aufwühlendes, vielfach preisgekröntes Buch.

Gewähltes Zitat

Anscheinend hat niemand sie bemerkt. Ich bin mir ganz sicher, dass unsere Nachbarn sie nicht einfach so vor dem Haus hätten liegen lassen. Wir haben hier in der Straße alle ein sehr gutes Verhältnis und kümmern uns umeinander.

(S. 270)

Meine Meinung

Emma ist eine der beliebtesten Schülerinnen der Schule. Mit ihrem Aussehen zieht sie alle Jungen an und viele beneiden sie darum. Sie kämpft hart darum sich ihren Ruf als nettes Mädel, zu dem alle aufsehen, zu erhalten, hat aber dennoch zahlreiche Feinde, die sie bereits einmal vor den Kopf geschlagen hat durch ihr Bedürfnis immer im Mittelpunkt zu stehen. Eines Tages kommt es soweit, dass sie nach einer wilden Party, an die sie sich kaum mehr erinnern kann, von den anderen gemieden und als Schlampe abgestempelt wird. Alle zeigen mit dem Finger auf Emma und im Netz sind unglaubliche Videos von ihr zu finden. Was ist auf der Party geschehen? Und wollte sie das alles wirklich?

Auf dieses Buch war ich wirklich sehr neugierig. Ich wollte unbedingt wissen, wie ein solches Thema in einem Jugendbuch verarbeitet sein würde und war dann schließlich von der Umsetzung sehr überrascht.

Meine Überraschung war schon direkt zu Beginn recht groß, denn Emma ist alles andere als das kleine, hilfsbedürftige Mädel von nebenan, das sich schamlos ausnutzen lässt und mit dem man direkt mitfühlt und Mitleid hat. Ganz im Gegenteil. Emma ist unheimlich taff und berechnend. In der Regel weiß sie genau was sie will und wie sie ihr Ziel erreichen kann. Sie ist sehr manipulativ ihrer Umwelt gegenüber und weiß genau welche Wirkung sie auf Jungs hat. Mit ihren Reizen geizt sie nicht und genießt die Aufmerksamkeit. Insgesamt ist sie nicht unbedingt eine Protagonistin, die man sympathisch findet.
Eine solche Protagonistin hatte ich tatsächlich nicht erwartet und war sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiter entwickeln würde. Mit ihrem Verhalten hätte man nämlich tatsächlich erwarten können, dass Emma es drauf anlegt, dass etwas passiert.

Genau das ist hinterher auch eine der Kernfragen: Ist Emma selbst schuld? Wollte sie womöglich, dass so etwas passiert?
Um diese Fragen dreht sich der zweite Teil des Buches.

Emma ist auch nach den Taten nicht unbedingt jemand, mit dem man Mitleid hat. Sie leugnet einiges und legt mehr Wert auf ein problemloses Leben, stößt Menschen, die ihr wirklich helfen wollen, vor den Kopf.
Hier zeigt sich auch deutlich, wo in unserer Gesellschaft das Problem liegt. Hier werden nämlich eher Täter als Opfer geschützt. Die Opfer müssen einiges aushalten und nicht jeder ist überhaupt, auch ohne eine solche Tat hinter sich zu haben, in der Lage, so etwas psychisch durchzustehen.

Meiner Ansicht nach, wird in diesem Buch erschreckend realistisch geschildert, dass die Opfer einfach nur Menschen sind, die nicht unbedingt in das zu erwartende Opfer-Klischee passen. Ein Opfer ist auch jemand, der eigentlich und nach Außen hin eine starke Persönlichkeit hat.
Klischees werden eigentlich auch wenig bedient. Emma verhält sich jedenfalls zu kaum einem Zeitpunkt so, wie ich es erwartet hätte, aber auf jeden Fall immer so, dass für mich sehr glaubhaft gemacht wurde, dass ihr etwas zugestoßen ist, dass eigentlich kaum zu fassen und unbegreiflich ist.

Die Umsetzung ist meiner Meinung nach also wirklich sehr gelungen. Der Schreibstil ist dem eines Jugendbuches angemessen. Der nötigt Abstand wird gewahrt und dennoch wird alles so beschrieben, dass verständlich wird, was geschehen ist und worum es geht.
Gerade heutzutage zeigt die Geschichte schön auf, wohin gewisse Verhaltensweisen führen können und dass es nun mal ganz und gar nicht ungefährlich ist, wenn man auf Party vermeintlich nur ein wenig Spaß mit Alkohol und Drogen haben will.

Über das Ende kann man streiten. Auch ich fand es eher unbefriedigend, aber ehrlich gesagt, wäre alles andere auch irgendwie übers Ziel hinaus geschossen und hätte die wirklich ernste Lage positiv aufgelöst, wo es eigentlich nichts positives gibt. Von daher muss ich leider zugeben, dass das Ende eigentlich gut zur Geschichte passt und leider Gottes ja ebenfalls auch sehr realistisch ist.

Fazit

Du wolltest es doch von Louise O’Neill ist ein Buch, das für Jugendliche gut geeignet ist. Es zeigt ein sehr ernstes Thema schonungslos auf und sensibilisiert aber gleichzeitig auch für Dinge, über die sich Jugendliche heutzutage zu wenig Gedanken machen.
Über dieses Buch muss man reden!

Meine Wertung

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