Nachtwild – Gin Phillips

Nachtwild von Gin Phillips klang nach einem unglaublich spannenden Thriller. Tatsächlich war er aber ganz anders als ich erwartet hatte, obwohl er aber auch genau das war, was ich dachte …

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dtv Verlag | Broschierte Ausgabe | ca. 304 Seiten | 15,90 Euro | März 2017 | Originaltitel: Fierce Kingdom | Übersetzer: Susanne Goga-Klinkenberg | ISBN: 978-3423261968

Inhalt

(lt. amazon.de):

Dunkler als die Nacht. Wilder als ein Tier. Näher als du glaubst.

Es ist ein herrlicher Tag und Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo – da hört sie plötzlich Schüsse. Am Ausgang sieht sie Tote auf dem Boden liegen. Sie weiß nicht, ob die Polizei unterwegs ist, ob der oder die Täter noch in der Nähe sind. Als weitere Schüsse fallen, flüchtet sie mit Lincoln in ein leer stehendes Gehege. Das Leben ihres Sohnes hängt jetzt allein von ihr ab und davon, ob sie einen Weg finden wird, sie beide zu retten. Jedes Geräusch, jede Bewegung kann tödlich sein. Sie muss Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Gewähltes Zitat

Sie macht geduckt ein paar Schritte, die Musik wird schon leiser, hämmert nicht mehr in ihrem Kopf. Noch ein Schritt und noch ein Schritt, und sie muss einfach nur gehen, mehr nicht, und braucht nichts zu fühlen.
Alles, was sie tun muss, ist, ihn zu schützen.

(S. 169)

Meine Meinung

Wie so häufig ist Joan auch an diesem Tag zusammen mit ihrem kleinen Sohn Lincoln im Zoo. Bis kurz vor Schluss sitzt sie zusammen mit ihm noch auf dem Spielplatz. Dann müssen sie sich beeilen um noch rechtzeitig vor Schließung raus zu kommen. Doch soweit kommen die beiden nicht mehr. Es fallen Schüsse und Körper liegen auf dem Boden. Joan ist ganz im Mutter-Modus, versucht ihren kleinen Sohn zu beschützen und versteckt sich mit ihm. Nur noch Lincolns Überleben ist wichtig, alles andere wird zur Nebensache …

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Story so hanebüchen und lahm ist, mich aber dennoch total an seine Seiten zu fesseln vermochte!

Wirklich, die Story war eigentlich wirklich langweilig und auch nicht besonders glaubhaft. Da gab es sehr viele Dinge, wo ich einfach nur ein Fragezeichen im Gesicht hatte und mich fragte, warum das denn gerade so sein müsse, was das solle und ob das anders nicht viel logischer wäre. Und trotzdem konnte ich das Buch nicht zur Seite legen und musste es nahezu in einem Rutsch zu Ende lesen. Aber warum war das so?
Das lag vor allem an der unheimlich dichten Atmosphäre. Während des Lesens hatte ich ein wirklich beklemmendes Gefühl, die ganze Zeit über, das begann schon direkt zu Beginn, obwohl noch gar nichts geschehen war, aber das Grauen war zu diesem Zeitpunkt schon präsent, beinahe greifbar.

Ganz besonders, meiner Ansicht nach das eindruckvollste an diesem Buch war die Mutter-Kind-Bindung zwischen Joan und Lincoln, die wirklich sehr gut beschrieben und herausgearbeitet wurde.
Ich bin nicht sicher, ob jemand ohne Kinder nachvollziehen kann was da passiert, ich selbst glaube nicht, dass ich es vor meiner Mutterschaft verstanden hätte, aber Eltern, besonders Mütter werden das Geschehen wohl absolut nachvollziehen können.

Joan wird in einer parasitären Abhängigkeit von ihrem Kind dargestellt, so dass sie alles was nicht Lincoln betrifft komplett verdrängt und seine Bedürfnisse und seine Sicherheit an erster Stelle steht. Das klingt natürlich total normal, so sollte es ja schließlich sein, Eltern sollten immer für ihre Kinder da sein. Aber wenn man logischen Menschenverstand hinzu addiert, dann hätte Joan sich vielleicht dennoch um den Säugling kümmern müssen, der mitten im Zoo in einem Mülleimer lag und Gefahr lief von den Attentätern entdeckt zu werden. Oder sie hätte strenger zu ihrem Kind sein und ihm Grenzen setzen müssen statt sich nur seinen Bedürfnissen zu unterwerfen und sich in Gefahr zu bringen. Mutterliebe funktioniert so aber nicht, sie unterwirft sich keinerlei Logik. Sie ist bedingungslos. Und genau das wird in diesem Buch total deutlich.

Die Auflösung rund um diesen Amoklauf im Zoo fand ich sehr unbefriedigend und auch wenig nachvollziehbar. Die Täter, aus dessen Sicht man auch ein paar Dinge erfährt, sind für mich in diesem Buch wirklich nur Mittel zum Zweck gewesen, weil irgendeine Bedrohung gebraucht wurde.

Fazit

Der Fokus liegt in Nachtwild von Gin Phillips auf jeden Fall auf der Mutter-Sohn-Beziehung, die wirklich wahnsinnig gut herausgestellt wurde. Und auch die Atmosphäre ist gut und greifbar beschrieben worden. Da kann ich die doch recht dünne Story schon mal außer Acht lassen.

Meine Wertung

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