Kaspar: Die Welt, aus der die Wolken kamen – Thomas Aiginger

kaspardieweltausderdiewolkenkamen

CreateSpace Independent Publishing Platform
Taschenbuch Ausgabe
ca. 344 Seiten
11,90Euro
Mai 2014
ISBN: 978-1499119909
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Inhalt

(lt. amazon.de):

Kaspar wird seit seiner Geburt alleine in einer luxuriösen Villa gefangen gehalten. Bewacht von Kameras. Ernährt und gebändigt von einer rätselhaften Person namens Wolf, die er nie zu Gesicht bekommt. Mit 19 Jahren gelingt ihm die spektakuläre Flucht. Dieser Roman erzählt von seinem Leben danach. In einer Welt, die er nur aus dem Fernsehen kennt.

Wie fühlt sich unsere Welt an, wenn man sie mit 19 Jahren zum ersten Mal betritt? Was empfindet Kaspar bei dem ersten Wort, das eine Frau zu ihm spricht? Wie klingt der Lärm einer Großstadt für seine einsamen Ohren? Wie schmeckt sein erster Big Mac? Wie überlebt er ohne Geld in einer Welt, in der Geld alles ist?

Ob seine Träume in Erfüllung gehen? Von Freunden, seinem Vater und wunderschönen Mädchen?

Ob er den geheimnisvollen Wolf findet? Oder der Wolf ihn?

Ob die Menschen ihn verstehen, mit seiner seltsamen Art zu sprechen?
Ob sie ihn dafür verlachen oder lieben?
Ob sie sein Buch trotzdem kaufen?

Gewähltes Zitat

Mein erster Satz war: ‘Kennst du Kaspar Hauser?’
Marlies nickte.
’Ich glaube, ich heiße Kaspar, weil ich aufgezogen wurde wie er. Ohne einen Menschen zu sehen. Ich war neunzehn Jahre alleine in ein Haus gesperrt. Vor zwei Wochen brach ich aus.’
’Du meinst, deine Eltern haben dich nie hinausgelassen?’
’Nein, nein. Ich habe keine Eltern. Ich war alleine in dem Haus! Also zuerst, als ich klein war, pflegte mich eine Amme. Sie trug einen schwarzen Umhang und eine Maske, sodass ich ihr Gesicht nicht sehen konnte. Sie lehrte mich sprechen, schreiben, lesen, kochen, putzen. Sie betreute mich, bis ich sieben Jahre alt war und alleine überleben konnte.’

(S. 104)

Meine Meinung

Kaspar wächst, abgeschnitten von der realen Welt in einem luxuriösem Haus auf. Bis zu seinem 19. Lebensjahr lernt er das Leben nur durch die ihm zur Verfügung stehenden Medien kennen. Allen voran natürlich durchs Fernsehen. Kontakt zu anderen Menschen hat er kaum. Der Wolf kümmert sich um seine nötigsten Bedürfnisse, gibt sich aber nicht zu erkennen. Kaspar kann zwar das Internet nutzen, aber alles was nach Außen gelangt, wird vorher kontrolliert. Mit 19 Jahren gelingt ihm schließlich die Flucht und obwohl Kaspar die Außenwelt aus den Medien kennt, gelingt ihm die Eingliederung in die Realität nicht. Diese schaut nämlich ganz anders aus, als er es sich vorgestellt hat …

Als mir angeboten wurde, dieses Buch zu lesen und zu rezensieren, war ich aufgrund meines Psychologie-Studiums und der offenkundigen Parallelen zu “Kaspar Hauser” schon interessiert, hatte mir aber ehrlich gesagt nichts davon erwartet, außer einer Geschichte, die irgendwie an die Geschichte von Kaspar Hauser heran reichen will, sie im schlimmsten Fall einfach kopiert. Mehr hatte ich mir tatsächlich nicht erwartet und war umso überraschter, dass ich sich mir hier viel mehr bot!

Kaspars Geschichte ist die Niederschrift eines Psychologen, dem er sich anvertraut. Der Stil ist sehr angenehm zu lesen, flüssig und einfach. Obwohl die Geschichte ziemlich geradlinig erzählt wird, ohne groß aufgebauschten Spannungsbogen, habe ich keine Längen empfunden. Für mich war es einfach spannend genug die nächsten Schritte zu erfahren, die Kaspar so widerfahren sind. Trotzdem enthält die Geschichte doch auch einen kleinen Krimi, denn schließlich gibt ja doch jemanden, der Kaspar all die Jahre gefangen hielt. Das ist natürlich ebenfalls total interessant zu erfahren und auch ziemlich stimmig und befriedigend, trotzdem für mich aber nicht der Hauptgrund weiter lesen zu müssen.

Ich fand die Geschichte wirklich bis auf minimale Kleinigkeiten total überzeugend. Für mich hätte es sich genau so auch abspielen können. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der man immer wieder von Menschen hört, die tatsächlich mitten in unserer Gesellschaft isoliert gefangen gehalten wurden, kommt dieses Buch total passend. Hier kann man nämlich aus der Sicht eines Betroffenen selbst miterleben, wie es sich anfühlt sich in unserer Gesellschaft zurecht finden zu müssen, wenn man diese nicht kennt und nicht in ihr aufgewachsen ist. Als – ich nenne es jetzt mal so – normaler Mensch kann man sich das eigentlich nicht vorstellen.
Das ist auch die große Leistung, die Thomas Aiginger hier vollbracht hat. Nicht die Geschichte an sich, sondern die Tatsache, dass man sie nachvollziehen kann, dass man daran glaubt, dass es sich genau so verhalten könnte!

Der Autor hat es hier geschafft eine wirklich tolle, überzeugende, gut durchdachte Geschichte zu erzählen, ohne dabei so schockierende Themen wie Missbrauch oder Folter einbringen zu müssen. Das hat es hier auch überhaupt nicht gebraucht. Die seelischen Qualen, die hier aber auch nie so wirklich thematisiert, sondern hauptsächlich und bis auf wenige Ausnahmen subtil mitschwingen sind vollkommen ausreichend um als Leser die Tragweite der Geschehnisse zu verinnerlichen.

Weniger subtil, aber auch nicht überdeutlich, sondern eigentlich schon wieder so offensichtlich, dass es beinahe wieder untergeht, klingt hier auch immer wieder Kritik an unserer existenten Gesellschaft an. Gerade unser Umgang mit Medien sei hier besonders erwähnt. Kaspar ist wohl ein gutes Beispiel dafür, was herauskommen könnte, wenn wir unsere Kinder immer weiter und immer mehr durch Medien erziehen lassen.

Fazit

Ich habe Kaspar: Die Welt, aus der die Wolken kamen bereits vor einigen Wochen gelesen, mich aber sehr schwer damit getan wirklich in Worte zu fassen, wie ich dieses Buch finde. Erst jetzt, wo ich darüber nachdenke, welches Buch aus diesem Jahr denn mein Jahreshighlight ist, schwirrt mir immer wieder dieses Buch im Kopf herum. Zurecht! Für mich ist es jedenfalls ein sehr heißer Anwärter auf diese Auszeichnung.

Meine Wertung

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