Hörbuchsprecher-Interview: Maria Koschny

Auch wenn man mit ihrem Namen direkt vielleicht nicht so viel anfangen kann, aber ihre Stimme haben bestimmt die meisten von euch schon einmal gehört!
Maria Koschny ist die Synchronsprecherin der Katniss aus den Die Tribute von Panem-Verfilmungen und ebenso spricht sie auch die Panem-Hörbücher. Außerdem hat sie schon in zahlreichen Filmproduktionen, Serien und Animes mitgesprochen. Unter anderem synchronisierte sie bekannte Schauspielerinnen wie Lindsay Lohan und Jessica Biel.
Maria hat sich sofort bereit erklärt einige Fragen zu beantworten, als ich sie darum bat. Ihre Antworten könnt ihr hier nun nachlesen! Viel Spaß!


Im Gespräch mit Maria Koschny

mariakoschny_farbeMaria, seit wann bist du Sprecherin?
Ich bin mit 9 Jahren über meine Mutter Katharina Koschny (selbst Sprecherin, Schauspielerin, Sängerin und Dozentin in der Akademie Für Professionelles Sprechen) zum Synchronsprechen gekommen.

Wie kam es dazu? War dies schon immer dein Traumberuf? Oder wolltest du zunächst einmal einen anderen Beruf ergreifen?
Meine Mutter hat mich oft mitgenommen zur Arbeit und eines Tages wurde ich vom Regisseur gefragt, ob ich auch mal einen Satz sprechen wolle, ihnen sei ein Kind ausgefallen. So fing alles an.
Ich habe dann allerdings eine längere Pause von fast 4 Jahren eingelegt und erst nach dem Abitur wieder angefangen Synchron zu sprechen neben meinem Studium in Erziehungswissenschaften (für Psychologie hat mein NC nicht ausgereicht ;)).
Als die Synchronanfragen sich dann mehrten, merkte ich, dass ich mich entscheiden muss zwischen dem Studium und der Sprechertätigkeit. Und wie die Entscheidung ausgefallen ist, kann sich ja heute jeder denken. ;)
Ab da begann ich fortlaufend bis heute immer wieder Kurse und Seminare im Bereich Sprechen und Schauspiel zu belegen.

Wie läuft es in deinem Beruf so ab? Gibt es typische Arbeitstage? Hast du feste Sprechtermine bei denen du dann sprichst was gerade gebraucht wird oder wird man immer für eine bestimmte Rolle gebucht?
Man wird immer für die jeweilige Rolle gebucht, daher fallen die Tage mal mehr oder weniger arbeitsreich aus.

Wie lief es bei “Die Tribute von Panem?” Wie kamst du dazu sowohl Hörbuch als auch die Filmsynchronisation zu machen?
Ich würde es fast einen glücklichen Zufall nennen, denn ich hatte Jennifer Lawrence im Jahr zuvor bereits im Film „X-Men – Erste Entscheidung“ gesprochen und vor dem Hintergrund, dass ich auch schon die Panem-Hörbücher gesprochen hatte, fiel die Entscheidung dann auf mich und darüber bin ich sehr froh.

Hast du die Bücher vorher schon gelesen und gekannt? Wie gefallen sie dir persönlich?
Ich bin großer Fan der Bücher!
Ich wurde allerdings erst durch die Hörbuchanfrage auf sie aufmerksam. Aber sie haben mir so gut gefallen, dass ich mir nach dem Einlesen des ersten Teils sofort den zweiten im Buchhandel geholt habe, weil ich es nicht abwarten konnte, bis der Verlag mir das Skript des zweiten Teils zuschickt. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Was macht dir denn mehr Spaß? Synchronisation oder Hörbuch sprechen? Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit?
Das Synchronsprechen ist mir natürlich viel näher, da es mich fast täglich begleitet, ein Hörbuch einzulesen ist für mich immer wieder etwas Besonderes und Neues.
Der Hauptunterschied besteht darin, dass man beim Synchronsprechen ein Original hat, eine Vorlage, nach der man sich richten muss. Das macht für mich auch den Reiz dieser Arbeit aus, das Tüfteln und Probieren, wie sich das Deutsche am Besten auf das Original transportieren lässt. Damit meine ich nicht nur die Worte, sondern auch die Art und Sprechweise, die man dem Original anpasst.
Beim Hörbuch einlesen hat man keine Vorlage und ist daher viel freier in seinen gestalterischen Möglichkeiten.
Ein großer Unterschied bei der Arbeitsweise ist zudem, dass bei der Synchronisation die Szenen in Takes (kleinere Abschnitte) unterteilt werden, wobei man beim Hörbuchsprechen am Stück liest. Verliest man sich oder wird vom Tonmeister oder vom Regisseur unterbrochen, so setzt man an der Stelle wieder neu an.
und liest weiter.

Wie bereitest du dich auf diese Sprecher-Jobs vor? Bekommst du die Texte vorher und gehst sie durch? Muss man viel auswendig lernen oder eher ablesen?
Beim Synchronsprechen sieht man die Texte das erste Mal direkt im Studio.
Wenn man jedoch eine größere Rolle in einem Kinofilm spricht, darf man sich den Film als Vorbereitung auf die Rolle und das Thema manchmal vorher ansehen, jedoch erhält man dazu nicht das deutsche Dialogbuch.
Im Studio ist es natürlich sinnvoll, sich den Text schnell einzuprägen, um beim Sprechen auch auf das Bild gucken zu können, um die Mundbewegungen richtig zu treffen und die Fenheiten des Spiels bedienen zu können. Sind Takes ml etwas lang geraten, weil der Schauspieler im Original z.B. ohne große Atempausen am Stück spricht, muss man den Text stellenweise natürlich ablesen. Zur Korrektur sitzt im Studio dafür eine Cutterin oder ein Cutter, die die Sprache später noch schneiden und den Text dann ganz genau dahin ziehen, wo er hingehört.

Wie lange arbeitet man an einer Film- oder Hörbuchsynchronisation?
Die Arbeit im Studio, also die Sprachaufnahmen, bei einer Filmsynchronisation dauert im Schnitt – je nachdem wieviel gesprochen wird – ein bis zwei Wochen. Davor muss allerdings ersteinmal eine Rohübersetzung angefertigt werden, mit deren Hilfe dann das Dialogbuch geschrieben wird, denn nur mit einer Rohübersetzung würde der deutsche Text häufig weder von der Länge noch von den Mundbewegungen auf das Original passen.
Beim Hörbuch geht man im Schnitt davon aus, dass der Sprecher am Tag ca. 80 Seiten liest, wobei Schrift und Zeilenabstand im Skript, das man erhält, leicht vergrößert werden, das erleichtert das Lesen und man kann sich zusätzlich Zeichen oder Anmerkungen hineinschreiben.

Zurück zu Panem. Welches Buch hat dir denn am besten gefallen und wieso?
Ich finde den ersten Teil am Besten, wobei ich keineswegs enttäuscht war von den folgenden zwei Teilen. Der erste Teil hat mich sofort begeistert und war von der Geschichte her meiner Meinung nach sehr rund.

Hattest du beim Film irgendwelche Lieblingsszenen bei denen die Synchronisation besonderen Spaß gemacht hat?
Ich mag besonders emotional tiefgehende Szenen, die sich in ruhigen Momenten zwischen Peeta und Katniss abspielen. Da passiert soviel unter der Oberfläche.

Gab es auch Szenen, bei denen du Schwierigkeiten hattest?
Die schwierigsten Szenen sind für mich die, in denen sie ausbricht, verzweifelt oder wütend ist. Das sind Gefühle, die man nicht so gern zulässt. Zudem ist es nicht einfach, z.B. einen Wutanfall so kontrolliert abzuliefern, dass alles auf das Original passt, aber er trotzdem noch echt klingt. Aber da macht es auch so spannend: die Technik und das Gefühl zusammenzubringen.

Gibt es irgendwelche besonderen Szenen an die du dich gut und gerne erinnerst?
Ich erinnere mich im ersten Teil besonders stark an die Szene am Anfang, als Katniss‘ Schwester Prim als Tribut für die Arena gezogen wird. Das berührt mich jedes Mal wieder, wenn ich die Szene sehe oder allein schon daran denke.

Stehst du bei der Synchronisation eigentlich alleine im Studio oder mit deinen Synchron-Kollegen?
Inzwischen werden wir meistens getrennt aufgenommen aus tontechnischen Gründen, damit jeder auf einem eigenen Band ist, wenn starke Entfernungs- oder räumliche Unterschiede oder Überlappungen auftreten (der eine atmet z.B. schwer, während der andere spricht oder einer fällt dem anderen ins Wort). Aus spieltechnischen Gründen wird man aber doch hin und wieder auch zusammen bestellt.

Wie sieht es mit dem fertigen Ergebnis aus? Schaust du dir Filme in denen du mitsprichst später auch selbst an? Ist das dann nicht komisch? Kannst du die Filme dann überhaupt noch genießen oder ist das eher wie ein kritischer Rückblick auf deine Arbeit?
Ich sehe mir nur noch die Filme an, die mich interessieren.
Anfangs hab ich mir des Öfteren mal das Endergebnis angesehen und vor allem angehört, denn man hört sich anders, während man selbst spricht. Das haben viele bestimmt schon mal erlebt, wenn sie sich auf Anrufbeantwortern gehört haben. Die Innen- und Außenwahrnehmung gleicht sich erst mit der Zeit an.

Welcher Sprecher-Job war bislang denn dein liebster? Gab es Sprechrollen, die du so gar nicht mochtest?
Ich habe immer sehr gern Ziva David in Navy CIS gesprochen (schade, dass die Schauspielerin demnächst aus der Serie aussteigt). Die Rolle lag mir und ich hatte über Jahre ein wundervolles Team, mit dem ich mich sehr wohl gefühlt habe.
Ungern spreche ich ganz allgemein in Horrorfilmen mit. Das ist überhaupt nicht mein Genre und oft spielen dort auch nicht gerade die begabtesten Schauspieler mit. Das verringert den Spaß an der Arbeit ungemein.

Zum Schluss ein paar Spaß-Fragen, um den Menschen Maria etwas besser kennen zu lernen:

mariakoschny_swDein Lieblingsbuch:
Momentan tatsächlich die „Panem“-Bücher. Auf lange Sicht gesehen bleibt es wahrscheinlich „Die unendliche Geschichte“ (das werde ich aber nicht so oft lesen wie die „Panem“-Bücher, ich lese an und für sich lieber dünnere Bücher)

Dein Lieblingsfilm/Serie:
„Avatar“ hat mich ziemlich lange bewegt und ist daher neben „Blue Valentine“ (den finde ich großartig gespielt) mein Lieblingsfilm und meine momentane Lieblingsserie – auch wenn sie leider schon beendet ist – ist „Breaking Bad“.

Dein Lieblingsaufenthaltsort:
Letzten Sommer war‘ das Berliner Flugfeld vom geschlossen Tempelhofer Flughafen, ansonsten bin ich gern am Wasser, am liebsten natürlich am Meer.

Kaffee oder Tee?
Hm.. ich bin eigentlich eher Teetrinker, hatte aber in letzter Zeit recht häufig auch mal einen Latte Macchiato..

Schokolade oder Chips?
Oh, das ist gemein, denn, wenn ich mal dazu greife, brauch ich meistens beides.

Filme oder Bücher?
Ich würde gern öfter zum Lesen kommen, aber da ich fast jeden Tag mit Buchstaben zu tun habe, strengt mich Bücher lesen oft an, obwohl ich sehr gern lese.
Filme liebe ich einfach, wenn sie gut gemacht sind und tolle Schauspieler mitspielen.

Drinnen oder Draußen?
Wenn ich müde bin drinnen, ansonsten bin ich sehr gerne draußen, vor allem in der Natur oder an Orten in meiner Stadt, die ich noch nicht kenne.

Sommer oder Winter?
Auf jeden Fall Sommer! Es sei denn, es bietet sich die Möglichkeit zum Snowboarden, dann find ich den Winter kurz mal richtig toll! ;)

Peeta oder Gale?
Gale. Ich bin eindeutig zu alt für Peeta. ;)

Liebe Maria, herzlichen Dank für diese interessanten Einblicke in deinen Beruf und für deine tollen Antworten zu dir!

4 thoughts on “Hörbuchsprecher-Interview: Maria Koschny

  1. Tolles Interview!
    Hab Maria auf der LBM getroffen, weil ich mit Lyrica unterwegs war und sie ein riesiger Fan von ihr ist.
    Hab noch gar nicht bemerkt, dass Ziva und Katniss die gleiche Stimme haben :D

    lg. Tine =)

  2. Hey, Nicole! Ich bin grad wegen der „Luna-Chroniken“-Blogtour über das Interview gestolpert. Spannendes Interwiew mit Hintergrund, den ich so nicht kannte. Die müssen pro Tag so viel Text einsprechen? Unfassbar! Danke fürs Interview! Gruß, Liane

    • Huhu Liane!

      Ja, ich finde das auch erstaunlich, aber die machen das richtig gut. Ich durfte schon öfter mal im Studio dabei sein, wenn Aufnahmen gemacht wurden (bei Maria allerdings noch nicht ;)) und finde das auch immer wieder faszinierend.
      Freut mich sehr, dass dir das Interview gefallen hat, ich finde es auch toll mal hinter die Kulissen zu schauen :)

      Liebe Grüße!

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