Das rote Adressbuch von Sofia Lundberg

Das rote Adressbuch von Sofia Lundberg bekam ich als Überraschung vom Verlag zugeschickt, weil Sie geglaubt haben, dass mir dieses Buch aufgrund meiner bisherigen Empfehlungen vielleicht gefallen könnte. Und was soll ich sagen? So war es! Schon die Kurzbeschreibung hat mich angesprochen und die Umsetzung dieses Buches war dann tatsächlich super schön …

20181018_173608

Goldmann Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 352 Seiten | 20,00 Euro | August 2018 | Originaltitel: Den röda Adressboken| Übersetzer: Kerstin Schöps | ISBN: 978-3442314997

Inhalt

(lt. amazon.de):

Eine bewegende Reise durch ein Meer von Erinnerungen – und eine Hommage an das Leben und die Liebe.
Doris wächst in einfachen Verhältnissen im Stockholm der Zwanzigerjahre auf. Als sie zehn Jahre alt wird, macht ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England – zurück nach Schweden und zu dem Mann, den sie einst verlor, aber nie vergessen konnte.

Gewähltes Zitat

»Verstehst du denn nicht? Du wirst berühmt werden. Das ist der Traum aller Mädchen. Jetzt lächle doch endlich!«
Ihre Irritation über mein Schweigen war so greifbar, dass ich eine Gänsehaut bekam. Sie schüttelte ungehalten den Kopf und schnaubte. Dann forderte sie mich auf, meine Sachen zu packen.

(S. 61)

Meine Meinung

Doris hat ein bewegtes Leben hinter sich, als sie als alte Frau in ihr rotes Adressbuch schaut, das sie einst von ihrem Vater geschenkt bekam. Die meisten Adressen in diesem Adressbuch sind bereits durchgestrichen, weil die Personen verstorben sind. Um ihrer Nichte etwas zu hinterlassen, schreibt sie all ihre Erinnerungen an diese Personen nieder und erzählt somit ihre gesamte Lebensgeschichte, die wirklich sehr bewegend ist…

Tatsächlich war ich sehr gespannt auf diese Umsetzung, denn die Idee eine Geschichte in Episoden zu erzählen, indem man die Lebensgeschichte derjenigen Personen erzählt, die bereits verstorben sind, fand ich sehr interessant.

Meiner Ansicht nach ist diese Umsetzung auch sehr gelungen. Man springt mit Doris durch die Zeit, lernt sie in der Gegenwart kennen, als sehr einsame Frau, die nur noch ihre Nichte hat, die jedoch weit, weit entfernt wohnt und die sich aber mit ihrer Hilflosigkeit nicht abfinden will, sondern immer noch stolz ihr Leben alleine meistern will, so wie sie es ihr ganzes Leben lang getan hat.
Und Doris hatte wirklich ein bewegtes Leben. Sie erzählt anhand ihrer Mutter und ihres Vaters, die beide schon lange verstorben sind, wie ihre Kindheit verlief, wie sie ihr Elternhaus früh verlassen musste um Geld zu verdienen, wie sie ihrer Mutter nie verzeihen konnte, dass diese sie in die Welt hinaus geschickt hat, obwohl sie immer nur das Beste für ihre Tochter wollte.

Die Autorin Sofia Lundberg hat hier einen sehr nüchternen Schreibstil gewählt, aber ihren Figuren hat sie wirklich maximales Leben eingehaucht. Ich konnte mir nahezu alle Figuren lebhaft vorstellen, konnte mir ausmalen, wie sie getickt haben und was sie für Menschen waren, obwohl dazu gar nicht mal so viele Beschreibungen vorhanden waren. Der Kontext hat hier das Kopfkino entfacht und mich total mitgenommen.

Auch fand ich die Beschreibungen von Doris’ Leben in der Vergangenheit sehr bildhaft. Vor allem das historische Paris konnte ich mir super vorstellen.

Das Ende war allerdings für mich dann ein wenig zu viel, das war ein wenig sehr kitschig und übertrieben, was eigentlich nicht hätte sein müssen. Andererseits hat es auch wunderbar gepasst und alles andere wäre dann vielleicht auch unbefriedigend gewesen.

Für mich hat dieses Buch auch ein wenig zum Nachdenken angeregt. Nämlich darüber, wie heute mit älteren Menschen umgegangen wird, denn es war wirklich bewegend zu erleben wie einsam Doris im Alter ist.

Zum anderen hat dieses Buch den Untertitel “Hast du genug geliebt in deinem Leben?” – Und auch dies passt sehr schön, denn wie oft gehen solche Emotionen und Bedürfnisse wie lieben und geliebt werden unter, wenn man hart fürs eigene Überleben arbeiten und kämpfen muss. Auch dies wird in diesem Buch deutlich.

Fazit

Sofia Lundberg konnte mich mit Das rote Adressbuch sehr begeistern!
Es war mir eine Freude mich zusammen mit Doris auf eine Reise durch ihr bewegtes und ereignisreiches Leben zu begeben, mitzuerleben wie Bekanntschaften sie beeinflusst haben und wie Verwandte sie formten.
Dieses Buch regte mich zum nachdenken an und lies mich auch träumen und mitfühlen. Ein sehr schönes Debüt!

Meine Wertung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.