Fangirl – Rainbow Rowell

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Hanser Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 480 Seiten | 18,00 Euro | Juli 2017 | Originaltitel: Fangirl | Übersetzer: Brigitte Jakobeit | ISBN: 978-3446257009

Inhalt

(lt. amazon.de):

Die Zwillinge Cath und Wren sind unzertrennlich, bis Wren beschließt, dass ihr Jungen und Partys wichtiger sind als das gemeinsame College-Zimmer. Ein harter Schlag für Cath, die sich immer weiter in ihre Traumwelt zurückzieht: Beim Lesen und Schreiben von Fanfiction lebt sie ihre Vorstellungen von Liebesbeziehungen aus. Mit Erfolg – Tausende Leser folgen ihr. Doch als Cath dann Nick und Levi näher kennenlernt, muss sie sich fragen, ob sie nicht langsam bereit ist, ihr Herz echten Menschen zu öffnen und über Erfahrungen zu schreiben, die größer sind als ihre Fantasien. Ein mitreißendes Jugendbuch von Bestsellerautorin Rainbow Rowell über die erste Liebe – in der Fantasie und im echten Leben.

Gewähltes Zitat

Als Cath in dieser Woche Wren zum ersten Mal sah, beim Mittagessen mit Courtney, dachte sie nur: So siehst du also aus, wenn du ein großes Geheimnis vor mir bewahrst – genau wie immer.
Cath fragte sich, ob Wren überhaupt vorhatte, mit ihr über das zu reden, was ihr Vater angeschnitten hatte. Sie überlegte, wie viele andere wichtige Dinge Wren ihr verschwieg. Und wann das angefangen hatte. Wann hatte Wren damit angefangen, ihr nur bestimmte Dinge zu erzählen?

(S. 11)

Meine Meinung

Cath und Wren sind Zwillinge, vom Wesen her aber total unterschiedlich. Dennoch waren sie bisher ziemlich unzertrennlich. Als sie nun ans College kommen, ist es Wrens Wunsch sich mit ihrer Schwester kein Zimmer zu teilen und so wohnen sie ab sofort nicht nur getrennt, sondern haben auch sonst kaum noch Kontakt. Nicht einmal ihre Liebe zur Fantasy-Reihe rund um den Magier Simon Snow kann sie noch zusammen halten. Während Wren das scheinbar gut findet und sich super am College eingewöhnt hat, isoliert sich Cath ziemlich und hat kaum Kontakt zu anderen Kommilitonen. Sie zieht sich in ihre eigene Fantasy-Welt zurück und verbringt ihre Zeit hauptsächlich damit Fanfiction zu Simon Snow zu schreiben, denn in diesem Fandom hat sie sich bereits einen virtuellen Namen gemacht …

Auf dieses Buch war ich bereits total gespannt. Auf „Fangirl“ und auf „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“, denn beide Bücher stehen im engen Zusammenhang und das weder, weil sie von der selben Autorin stammen und auch nicht, weil es vielleicht Fortsetzungen sind, sondern weil es sich bei dem Simon Snow-Buch um das Buch im Buch „Fangirl“ handelt. Eine total tolle Idee, wie ich bereits vorher fand und deswegen auch so extrem gespannt war.

Im Gegensatz zu Simon Snow handelt es sich bei „Fangirl“ um keine Fantasy-Geschichte. Es geht vielmehr um ernste Themen wie das Erwachsen werden, das sich selbst finden und darum sich in der Welt zurecht zu finden, sich einen Platz zu sichern.

Wie bereits erwähnt sich Cath und Wren Zwillinge. Zwillingsgeschichten finde ich ja von Grund auf schon interessant. Diese ist aber keine der üblichen Geschichten, wo die Schwestern immer aufeinander hocken, die Sätze des anderen Vervollständigen können und so weiter. Diese Geschichte beschreibt eher die Schwierigkeit, wie es ist, wenn man sein Leben mit seinem Zwilling verbracht hat, immer nur als Einheit wahr genommen wurde, obwohl man doch eigentlich total unterschiedliche Interessen und Charakterzüge hat, und sich dann irgendwann entschließt, sich als Individuum zu entfalten, sich eigenständig entwickeln zu wollen.
Ob dies wirklich authentisch gelungen ist, das kann ich zwar nicht wirklich beurteilen, denn ich bin kein Zwilling und habe nicht einmal eine Schwester, aber bei mir kam es jedenfalls sehr glaubwürdig rüber. Ich konnte Wrens Wunsch nach Eigenständigkeit total nachvollziehen und verstehen, auch wenn die Geschichte hier eigentlich aus Cath’ Sicht erzählt wird und wir vor allem ihre Sicht der Dinge, ihre Emotionen und Handlungen erleben.

Aufgelockert wird diese Erzählung immer wieder durch Auszüge aus den fiktiven Simon Snow-Büchern, von denen Cath und Wren solche Fans sind, Fanfictions dazu, die von Cath und Wren geschrieben wurden oder sonstige virtuelle Einträge dazu.

Simon Snow ist in dieser Welt übrigens das, was bei uns Harry Potter ist: eine unglaublich beliebte Buchreihe, die sich Millionenfach verkauft hat, für die es Mitternachtsverkäufe gibt, Verfilmungen und eine riesige Fangemeinde.

Im Gegensatz zu Wrens Verhalten konnte ich Cath’ teils nicht wirklich nachvollziehen. Sie ist sehr zurückhaltend und zurückgezogen und will sich am liebsten vor der Welt verbergen. Selbst wenn sie den Wunsch verspürt etwas zu tun, ist sie noch total gehemmt und mir hat sich oftmals überhaupt nicht erschlossen, warum das so ist. Das fand ich ziemlich schade, denn ansonsten fand ich die Geschichte einfach großartig beschrieben und liebevoll detailreich dargestellt.

Cath Entwicklung hätte mir also eigentlich sehr gut gefallen müssen, wenn da nicht diese ständigen Fragezeichen in meinem Kopf gewesen wären. Ich kann zwar nachvollziehen, dass es Gründe dafür gibt, dass sich jemand lieber seinen eigenen Fantasy-Welten widmet, als dem realen Leben, so wie es bei Cath der Fall ist, aber ich hätte die Gründe dafür auch gerne nachvollziehen wollen. So kam es für mich teilweise eher gezwungen rüber. So als wäre Cath einfach nur so, weil sie halt das Gegenteil ihrer Schwester sein sollte. Das fand ich sehr schade, aber vielleicht habe auch nur ich das so empfunden? Ansonsten hat mir die Geschichte ausnehmend gut gefallen, vor allem, weil ich mich in Ansätzen mit Cath ein wenig identifizieren konnte, denn auch ich habe mich zu Beginn an der Uni recht schwer damit getan mich einzugewöhnen.

Fazit

Bis auf einige grundsätzliche Probleme mit der Figur Cath hat mir Fangirl von Rainbow Rowell wirklich gut gefallen.
Sich endlich überwinden und seinen Platz im Leben zu finden und sich zu behaupten – diese Geschichte hat mir ziemlich gut gefallen. Auch, dass die Schwestern sich endlich unabhängig voneinander entwickelt haben, wenn auch auf gänzlich unterschiedliche Art und Weise und auch mal mit Bauchplatschern fand ich wirklich gelungen!

Meine Wertung

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2 thoughts on “Fangirl – Rainbow Rowell

  1. Ich hatte ja den Eindruck, dass Cath an einer Sozialen Angststörung leidet, was eine ernstzunehmende psychische Erkrankung ist. Das hat sich vor allem gezeigt, wenn sie Situationen komplett meidet aus Angst sich zu blamieren, mir fällt da gerade die Mensa ein. Das passt auch zu ihren Gedanken, ob sie nicht vom Vater „was abbekommen“ hat, der ja auch unter einer psychischen Erkrankung leidet.

    Danke für die Verlinkung und liebe Grüße,
    Mona

  2. Pingback: Rainbow Rowell: Fangirl [Rezension] | Tintenhain

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