With Love Mary Sue: Das Phänomen Fanfiction – Bettina Petrik, Stefanie Zureck

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IFuB Verlag | Taschenbuch Ausgabe | ca. 224 Seiten | 14,80 Euro | Dezember 2015 | ISBN: 978-3941864238

Inhalt

(lt. amazon.de):

Es gibt eine Welt, da lebt Professor Snape glücklich verheiratet mit Lily Potter, Thorin Eichenschild ist nie gestorben, und Anakin Skywalker hat sich nie auf die böse Seite der Macht geschlagen. Eine Welt, wo Sherlock Holmes zusammen mit einem geheimnisvollen Timelord merkwürdige Fälle untersucht, Dean Winchester mit der Crew der Serenity fliegt und Loki und Thor mehr als nur Brüder sind.
Fanfiction, argumentieren manche, gab es schon immer. Schließlich bedienten sich nicht wenige große Autoren an populären Stoffen und verpassten ihnen ein neues Gewand. Andere hingegen sehen Fanfiction kritisch und werfen den Autoren vor, die Ideen anderer zu verfremden.
Und es soll vorkommen, dass das Schreiben von Fanfiction zum Durchbruch verhilft, wie u.a. „Shades of Grey“ zuletzt bewies.
Aber was ist Fanfiction wirklich? Aus welchem Bedürfnis entsteht sie, und wie weit zurück geht das Phänomen? Welche Genres gibt es, und was sollte man als Fanfiction-Neuling auf jeden Fall wissen, bevor man sich in die zahllosen Archive stürzt?
Bettina Petrik und Stefanie Zurek nehmen Sie mit auf eine turbulente, augenöffnende, manchmal aufwühlende, aber immer emotionale Reise durch die großartige Welt der Fanfiction.
Sie werden Ihren Augen nicht trauen.

Gewähltes Zitat

1973 erschien sie erstmals auf der Bildfläche: Mary Sue. Was heute unter Fans gemeinhin als Synonym für eine schlecht geschriebene, selbst kreierte Protagonistin gilt, die wunderschön ist, alles kann und sowieso von jedem angehimmelt wird, entstammt ursprünglich der Parodie A Trekkie’s Tale aus der Feder von Paula Smith.

(S. 27)

Meine Meinung

With Love Mary Sue: Das Phänomen Fanfiction beschreibt genau das: Das Phänomen Fanfiction, der Name ist Programm. Geschrieben wurde dieses Buch von zwei Autorinnen, die beide schon vor Jahren damit anfingen Fanfiction zu schreiben – Bettina Petrik und Stefanie Zurek.

Als Fanfiction oder auch kurz Fanfic bezeichnet man Werke, die von Fans eines literarischen Originalwerkes wie Filme, Serien, Büchern etc. oder auch reale Prominente verfasst wurden. Darin werden die bekannten Welten, Figuren oder Menschen aufgegriffen und oftmals alternativ umgeschrieben oder einfach weiter entwickelt.
Spätestens seit dem Bestseller Shades of Grey ist der Begriff geläufiger, denn bekanntlich war auch dieses Buch ursprünglich einmal eine Fanfic, die E.L. James zu Meyers Twilight-Serie geschrieben hatte.
Fanfics haben ein riesiges Publikum, nicht nur hierzulande und diesem nehmen sich die beiden Autorinnen in diesem Buch an und dröseln die Hintergründe genau auf.

Nachdem die Autorinnen sich in einem kurzen Vorwort vorgestellt haben wird zunächst genau erklärt was es mit Fanfiction auf sich hat, bevor es an die Geschichte der Fanfics und ihre Ursprünge geht.
Ich selbst habe in meiner frühen Jugend ebenfalls Fanfiction zu diversen Themen geschrieben, diese aber nie jemanden gezeigt, bis auf ganz wenige Ausnahmen. Und ich weiß, dass die meisten heutigen Autoren dies ebenso hielten und nicht nur diese, sondern überhaupt viele Menschen. Man verarbeitet mit eigenen Geschichten erlebtes und kann Phantasien ausleben. Auf die Gründe wird im Buch ebenso eingegangen wie auch die Schwierigkeiten die mit Rechten einhergehen (könnten).

Obwohl ich selbst also schon vor diesem Buch einiges über Fanfiction wusste, war vor allem die Historie für mich neu und auch die ganzen Einstufungsmöglichkeiten, die im Buch ausführlich beschrieben werden, waren mir zu einem großen Teil kein Begriff. Interessant fand ich vor allem auch tatsächlich die Frage zum Urheberrecht oder Markenrecht auf das hier eingegangen wurde und war doch erstaunt, dass es tatsächlich einige Autoren und Prominente gibt, die die Veröffentlichung solcher Fanfiction über ihre Person oder Werke verboten haben.

Dieses Buch bietet also wirklich einen breiten Überblick über alle Fragen die dieses Thema so aufwerfen kann.
Wirklich gelungen fand ich hierbei auch den Aufbau, denn es geht keineswegs mit schnöden Fakten und Beschreibungen auf den über 200 Seiten durchs Thema, nein. Hier haben sich die Autorinnen etwas einfallen lassen.
So finden sich zu Beginn und zum Ende vieler Kapitel Briefe von und an der fiktiven und namensgebenden Mary Sue, die das ganze passend und auflockernd untermalten.
Auch die sogenannten „Stimmen aus dem Off“, die man an manchem Kapitelende findet, waren sehr interessant, denn dies waren die Stimmen bekannter Persönlichkeiten wie Tommy Krappweis (Bernd das Brot-Erfinder, Autor), Boss Hoss, Ian Beattie (Game of Thrones) oder Andreas Eschbach (Autor), die allesamt ihre Ansichten zu Fanfiction beitrugen.
Für alle Fans der Fanfiction sind ganz bestimmt auch die zahlreichen Interviews mit den Hintermännern der diversen Fanfiction-Archive ein Highlight und auch die Auseinandersetzung mit eben diesen Archiven. Und auch ich war von den Ausmaßen, die diese größten Archive mittlerweile annehmen ziemlich beeindruckt, denn als ich damals noch häufiger in diesen Archiven unterwegs war, gab es zwar schon eine gute Zahl an Fanfics, aber nichts gegen die heutige Menge die man zu jedem Thema finden kann.
Tatsächlich hat mich das Buch dazu gebracht mal ein wenig in diesen alten bekannten Archiven zu stöbern und noch einmal das eine oder andere zu lesen.

Fazit

Mit With Love Mary Sue: Das Phänomen Fanfiction haben Bettina Petrik und Stefanie Zurek wahrscheinlich DAS Werk zum Thema Fanfiction überhaupt geschrieben. So eine geballte Menge an Fakten auf knapp über 200 Seiten und die damit einhergehende Auseinandersetzung muss erst einmal geschafft werden. Und durch den wirklich gelungenen Aufbau wird das alles auch nicht langweilig runtergeleiert, sondern tatsächlich interessant an den Leser gebracht. Wer sich für das Thema interessiert und mehr darüber erfahren möchte, der findet hier alles was er wissen sollte!

Meine Wertung

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