#ohneFolie – Hardcover kommen ohne Folie in den Handel

In dieser Woche erschien mit Nele Neuhaus’ neuem Roman „Muttertag“ das erste Hardcover-Exemplar mit Schutzumschlag, bei dem man auf die Folie verzichtet. Heißt konkret, dass das Buch nicht eingeschweißt in den Laden gekommen ist und auch so verschickt wird, wenn man es online bestellt.

Über die Gründe und die Vor- und Nachteile habe ich bereits im Oktober in den Social Media mit anderen Bücherfreunden diskutiert und will dieses Thema nun, wo ich das Buch selbst gekauft habe, hier noch einmal aufgreifen und zusammen fassen.

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Tatsächlich will die Bonnier-Gruppe, zu der auch der Ullstein Buchverlag gehört, den ersten Schritt machen und in Zukunft komplett auf Folien verzichten. Der Umwelt zuliebe.

Ein Schritt in die richtige Richtung, da sind wir uns wahrscheinlich alle einig, denn in Zeiten, in denen sogar Bio-Obst und –Gemüse in Plastik verschweißt wird und gleichzeitig erstmals Mikroplastik in menschlichen Körpern nachgewiesen wurde, ist es höchste Eisenbahn endlich umweltbewusster zu denken.

Neuhaus als Wegbereiter

Den Anfang macht Nele Neuhaus’ Buch, das in einer Gesamtstartauflage von 300.000 Stück erscheint und somit auf jeden Fall im stationären Handel präsent sein wird.
Um auf diese Neuerung hinzuweisen, wird diese Auflage nämlich zunächst mit einem Siegelband in den Handel kommen, das die Verbraucher darauf hinweist und ihnen auch erklärt, wieso das Buch offen und nicht in Folie versiegelt ist. Eine Entscheidung, die den Verlag erst einmal eine Menge kostet, denn Folie ist leider viel billiger als eine solche Lösung. Ab nächsten Frühjahr sollen die Bücher dann sowohl ohne Folie, als auch ohne Siegel in den Handel kommen.

Ich persönlich begrüße diese Neuerung, bin aber gleichzeitig auch sehr skeptisch, ob sich diese Praxis durchsetzen wird.
Der Grund dafür ist einfach, denn wenn ich als Buchliebhaber mein Einkaufsverhalten zu Grunde nehme, dann muss ich gestehen, dass ich im Laden immer zu den Büchern greife, die makellos sind, keinerlei Macken oder bestoßene Ecken haben. Ein Buch mit einem Makel würde ich wahrscheinlich nicht mitnehmen, auch nicht, wenn es das Letzte wäre.

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Wie tolerant bin ich Mängeln gegenüber?

Ich denke, dass genau so auch viele andere Menschen denken und dadurch, dass die Bücher ohne Schutzumschlag ja auch in die Hand genommen werden können, werden sicherlich auch die einen oder anderen Gebrauchsspuren nicht zu vermeiden sein.

Von daher bin ich sehr gespannt, inwieweit die Bücher vom Verbraucher noch abgenommen werden, wenn sie eben nicht mehr makellos und “wie neu” ausschauen, auch wenn sie es ja eigentlich sind.

Ich müsste im Laden vor Ort schon sehr viel weiter denken um dann vielleicht zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es für die Umwelt aber dennoch besser ist, auch wenn ich dann halt ein Buch mit einem angestupsten Umschlag erwerbe.
Das ginge für mich selbst auch vielleicht noch, aber als Geschenk? Ich denke, das würde doch niemand verschenken wollen, oder?

Bücher nur noch hinter den Ladentheken?

In dieser Woche war es jedenfalls soweit und ich habe mir am Montag im hiesigen Buchladen das erste Buch ansehen wollen, das diesen neuen Schritt wagt.

Die Überraschung war groß, als ich die Buchhändlerin nach dem Titel fragte und sie es mir freudestrahlend aus dem Lager holte. Darauf angesprochen, warum diese Neuheit denn nicht, wie alle anderen, auf dem Tisch ausliegen würde, sagte man mir, dass man eben nicht wolle, dass die Bücher angerabbelt werden und man sie deswegen erst einmal nur auf Verlagen hervor holt.
Generell war die Buchhandlung aber sehr angetan von der Aktion, dass Bücher ab demnächst ohne Folie ausgeliefert werden würden.

Nun gut. Ich kann die Entscheidung natürlich total nachvollziehen. Es wäre ja schon ärgerlich, wenn sich die Bücher aufgrund von Gebrauchsspuren nicht mehr verkaufen ließen und die Anzahl der Remittenden dafür steigen.
Andererseits wäre dies kaum noch praktikabel, wenn alle Hardcover Exemplare ohne Folie ausgeliefert werden würden. Und wenn doch, dann wäre der lokale Buchhandel wohl nur noch einen Hauch spannender als das Online-Shopping. Ich denke nicht, dass dies der richtige Weg wäre.

Insgesamt würde ich es begrüßen, wenn alle Verlage sich für diese Folienfreie Vermarktung entscheiden würden. Ich denke, dass nur so ein generelles Umdenken beim Verbraucher stattfinden und sich festigen kann. Ansonsten könnte ich mir vorstellen, dass man zu anderen Bücher greifen könnte. Allerdings würde es mich ausdrücklich freuen, wenn ich mit dieser Annahme falsch läge.

Wie schaut es denn bei euch aus?

Was ist eure Meinung dazu?

Wie tolerant wärt ihr Mängeln gegenüber?

Habt ihr bereits Erfahrungen damit gemacht?

Ich bin gespannt auf eure Meinung!

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5 thoughts on “#ohneFolie – Hardcover kommen ohne Folie in den Handel

  1. Danke für diesen ehrlichen Beitrag! Im ersten Moment habe ich gedacht: wie toll udn umweltfreundlich. Im zweiten: hmm und wenn das jetzt ddurch einen Fettfleck hat oder ein Eselsohr, würde ich Buchnerd es dann kaufen?

    • Huhu Franziska!

      Danke für deinen Kommentar :)
      Ja, das war auch mein erster Gedanke und dann dachte ich mal weiter.
      Ich würde mir wirklich wünschen, dass da ein Umdenken stattfindet bei uns Verbrauchern. Da schließe ich mich auch gar nicht aus, denn ansonsten wäre ich mir nicht sicher, ob diese Vermarktung wirklich Zukunft hat. Da bin ich sehr skeptisch.

      Viele Grüße
      Nicole

  2. Hallo Nicole,

    ich hatte es damals schon mit bekommen und finde es sehr gut. Ich kann zwar die Buchliebhaber verstehen und so ein Hardcover ist ja auch recht teuer, aber es geht hier immerhin um unsere Umwelt und Plastikverzicht, der wirklich essentiell ist! Da lasse ich um ehrlich zu sein kein Argument gelten, denn Umwelt sollte immer vorgehen!

    Ich könnte mir vorstellen, dass es im Buchhandel einige Ansichtsexemplare gibt und man sein Buch aber tatsächlich aus dem Lager bekommt, das wäre für mich ein guter Kompromiss.

    Liebe Grüße
    Desiree

  3. Ich habe meine Lesekarriere mit Büchern aus der Bücherei gestartet, da kommt man wirklich in Kontakt mit Büchern, die von vielen Menschen in die Hand genommen wurden. Und auch in der Buchhandlung finde ich eher Bücher, die nicht eingeschlagen bzw. in Folie verschweißt sind. Finde ich persönlich wesentlich besser.
    Und ganz ehrlich, Bücher sind Gebrauchsgegenstände und werden von mir in erster Linie wegen ihres Inhalts gekauft.
    Daher würde ich es nicht tragisch finden, wenn es schon von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Starke Gebrauchsspuren würde ich allerdings bei einem Neukaufen nicht akzeptieren.

  4. Hallo Nicole,
    ich hatte diese tolle neue Vorgehensweise des Ullstein-Verlags noch gar nicht wahrgenommen. Grundsätzlich finde ich es super, dass Plastik gespart wird. Es wäre doch schön, wenn noch mehr Verlage sich anschließen würden. Als Buchverrückte, die immer sehr auf ihre Schätze achtet, ist es allerdings schon komisch. Ein Buch für über 20,– Euro würde ich mit Macken wohl eher nicht kaufen. Da ist es wohl tatsächlich angebracht, ein oder zwei Bücher zum Zweck der Ansicht auszulegen und dem Kunden, dann bei Kauf ein absolut neues Exemplar aus dem Lager zu holen.

    Ein wirklich toller Beitrag. Ganz liebe Grüße
    Mimi

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