Mythos Überforderung: Was wir gewinnen, wenn wir uns erwachsen verhalten – Michael Winterhoff

 mythosueberforderung

Gütersloher Verlagshaus | Gebundene Ausgabe | ca. 256 Seiten | 19,99 Euro | September 2015 | ISBN: 978-3-579-06620-2

Inhalt

(lt. amazon.de):

Michael Winterhoff trifft einmal mehr den Nerv unserer Zeit
Durchsetzungsfähigkeit in der Erziehung oder Konfliktangst im Beruf. Aber wir schaffen es nicht, mit ihnen Schluss zu machen. Warum?
Es gelingt uns nicht mehr, uns wie Erwachsene zu verhalten. Abgrenzung, Übernahme von Verantwortung, klare Entscheidungen, langfristiges Denken: Fehlanzeige. Der Einzelne kann nicht mehr für sich selbst sorgen, und auch das Verhalten in Wirtschaft, Politik und Institutionen zeigt: Wir sind auf dem besten Weg in eine infantile Gesellschaft.
Eine dramatische Entwicklungsschwäche, die uns fertig macht.
Der wir aber nicht tatenlos ausgeliefert sind.
Warum wir uns vom Leben überfordert fühlen – und wie wir das beenden
Vom Opfer zur Persönlichkeit: endlich (wieder) die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen
Eine kluge gesellschaftliche Analyse mit hohem Wiedererkennungseffekt und Nutzwert für die Leser

Gewähltes Zitat

All diese Beispiele deuten auf eines hin: Die Frustrationstoleranz des Einzelnen geht gegen null. Wir meinen Anspruch auf materiellen Wohlstand und stetes Wohlgefühl zu haben, das durch keinen Schmerz und keine Anstrengung getrübt wird. Wenn uns mal etwas fehlt oder wenn uns etwas abverlangt wird, wird das als Zumutung verstanden. Wir wollen uns keinen Herausforderungen stellen, wir wollen nicht geduldig sein und auch nicht hart arbeiten, um etwas zu erreichen. Die Frage ist: Was ist denn daran so schlimm?

(S. 85)

Meine Meinung

Die Bücher von Michael Winterhoff, der selbst eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie führt, lese ich seit einigen Jahren gerne und regelmäßig, denn ich finde seine Theorien wirklich treffend. Und nicht nur seine Theorien bringen es meistens auf den Punkt, nein, Winterhoff versteht es auch seine Bücher so zu schreiben, dass sie jedermann versteht. Auch jemand, der nicht Psychologie studiert hat und auch jemand, der keinen großen Fremdwörter-Wortschatz in seinem Kopf birgt. Der Autor bringt Beispiele aus dem Leben, aus dem Alltag an, so dass auch wirklich jeder etwas damit anfangen kann und versteht, was vermittelt werden soll. Dabei haben seine Bücher bisher immer sehr reißerische Titel getragen, doch dieses mal muss ich gestehen, dass der gewählte Titel wohl nicht passender hätte sein können.

Die Theorien die Winterhoff in diesem Buch aufstellt und auch plausibel zu erklären versteht besagt nämlich, dass die Überforderung, die in unserer Gesellschaft vorherrscht eigentlich gar keine wirkliche ist. Sie ist zum einen selbst gemacht und zum anderen total unnötig.

Jeder hat wohl mittlerweile begriffen, dass psychische Erkrankungen wie das Burn-Out-Syndrom oder ähnliches immer weiter verbreitet sind. Aber woran liegt das? Im Buch wird verdeutlicht, dass wir durch die heutigen ständig einprasselnden Informationen, die durch unsere technische Entwicklung statt findet, immer in einem Zustand der Alarmbereitschaft sind. Wir können nicht mehr kompensieren welche Infos wichtig sind und welche nicht und wir können uns nicht erholen. In Zeiten von Smartphones und Internet ist man immer erreichbar. Das wird auch erwartet. Nach der Arbeit hat man oft keinen Feierabend, sondern ist ständig im Stand-By-Modus. Das ist ein großer Unterschied zu der Zeit von vor 20 Jahren und davor.
Die Folge davon ist, dass wir in einen Zustand der Überforderung wechseln. Wir schalten irgendwann ab wenn es zu viel wird, wir resignieren. Das Ergebnis dieser Resignation ist, dass eine Regression statt findet. Wir fallen zurück in kindliche Verhaltensmuster, legen das erwachsene Verhalten ab und sind nicht mehr in der Lage uns vernünftig zu verhalten.

Für mich war der daraus resultierende Aspekt sehr interessant, was dieses Verhalten mit unseren Kindern macht, wenn sie quasi von Kindern erzogen werden. Denn auch das erklärt, was mit der heutigen Jugend los ist, über die man oftmals nur noch verwundert die Hände über den Kopf zusammen schlagen kann, die man aber dennoch weiterhin verhätschelt und tätschelt und vor allen Problemen und Widerständen beschützt. Ebenso, wie wir es selbst machen: den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

Dass das gar nicht gut ist und warum nicht, das erklärt Michael Winterhoff in vielen Beispielen und mit klaren Worten in diesem Buch, so dass es wirklich jeder verstehen kann und klar nachvollziehbar.

Habe ich in seinem letzten Buch SOS Kinderseele noch bemängelt, dass diesem die Lösungsansätze fehlen, so zeigt der Autor hier doch deutlich auf, was sich ändern müsste und wie man sich verhalten sollte, damit man selbst wieder aus diesem Kreislauf heraus kommt und sich wieder gut und nicht überfordert fühlen kann.

Fazit

Mit Mythos Überforderung hat mich Michael Winterhoff sehr nachdenklich gestimmt, denn ich hatte teils den Eindruck, dass ich in den vielen Beispielen die aufgeführt sind mein eigenes Verhalten gespiegelt bekomme. Wer sich auch auf ausgelaugt und überfordert fühlt, wer eigentlich nur noch lustlos ist, der kann hier erfahren, woran das vielleicht liegen könnte. Und ein Lösungsansatz wird direkt mitgeliefert!

Meine Wertung

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