Blogtour zu Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon – Tag 4

Vor einer Weile las ich die Leseprobe zu Palast aus Staub und Sand, weil ich bis dahin so viele positive Stimmen schon dazu gehört hatte. Eigentlich lasse ich Leseproben ja meistens links liegen, weil ich mich entweder für ein Buch entscheide oder halt nicht. Bei diesem Buch war ich mir aber tatsächlich unsicher und zog die Leseprobe zu rate, was ich auch direkt bereute. Nicht, weil sie so schlecht war, sondern im Gegenteil. Mich hat der Stil von Haroon Gordon sofort in den Bann gezogen und ich wollte mehr erfahren. Sofort!

In den letzten beiden Tagen konntet ihr bereits mehr über das Buch und den Autor erfahren und auch den Protagonisten kennen lernen.
Und nun nehme ich voller Überzeugung an dieser Blogtour zu diesem Buch teil, obwohl es mir nicht leicht fällt. Es fällt mir sogar sehr schwer meiner Begeisterung über diesen Roman eine Stimme zu geben, denn man muss ihn einfach selbst erlebt haben…

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Palast aus Staub und Sand

buchInhalt:
Eines Abends ist er einfach da. Baptiste, der scheue, junge Mann, von dem niemand in der verschlafenen Ortschaft in der Provence weiß, woher er gekommen ist. Und er scheint dort sein Glück zu finden, bis Jahrzehnte später seine verschwiegene Vergangenheit aufersteht. Mit aller Macht ziehen ihn die Erlebnisse vergangener Tage wieder in ihren Bann, und mit ihnen die Erinnerungen an Abda, das längst vergessene Frauengefängnis in der algerischen Wüste, in dem eine ungewöhnliche, tiefe Freundschaft, aber auch sein dunkelstes Geheimnis begraben liegen. Eines, das in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit immer weiter an die Oberfläche drängt …

hockebooks Verlag | Taschenbuch Ausgabe | ca. 306 Seiten | 12,99 Euro | Oktober 2016 | ISBN: 978-3957511621

Als sie an die Ruinen gelangte, glaube sie sich von Historie umweht wie in einem Museum. Verrostete Gitter, vermoderte Mauern und der Nachhall unzähliger Schicksale durchfuhren ihren Körper. Sie ignorierte die Verbote, die von irgendeinem Amt aufgestellt worden waren, und streifte durch die Zellengänge. Es hatte etwas Schauriges, denn der seltene Wind sorgte mit seinem Weg durch die Ritzen und Hohlräume für asthmatisches Rasseln.
(Haroon Gordon; Palast aus Staub und Sand; S. 299)

Genau so wie im Zitat oben beschrieben, würden wir das algerische Frauengefängnis Abda heute vorfinden, wenn wir danach suchen würden und wenn es das wirklich gäbe.
In mir weckt dies mehrere Gedanken. Zum einen finde ich es wahnsinnig atmosphärisch und spannend und würde gerne mehr über die Schicksale erfahren, die sich hier zugetragen haben.
Und zum anderen denke ich, dass es schreckliche Schicksale gewesen sein müssen, die sich hier abgespielt haben, die man niemandem wünscht uns selbst eigentlich auch gar nicht wissen möchte. Und schon gar nicht, würde man es einem Kind wünschen, an einem solchen Ort groß zu werden.

Genau dies ist in unserer Geschichte allerdings geschehen. In Abda wurden gleich zwei Kinder groß. Der eine als Sohn des Colonels, der andere als Sohn einer Gefängnisinsassin. Um die Freundschaft dieser beiden Jungen geht es in diesem Buch. Eine Freundschaft, die sie vor vielen, vielen Jahren geschlossen hatten und pflegten.

Damals, als Abda noch genutzt wurde, als zahlreiche Frauen in diesem Gefängnis saßen, als die französische Besatzung andauerte und Colonel Dumont die Herrschaft über dieses Gefängnis übertragen wurde.

Die beiden Kinder haben aber sicherlich andere Erinnerungen an dieses Gefängnis, als Erwachsene sie haben. Baptiste erinnert sich sicherlich daran, wie mulmig es ihm war, mit Hamid durch den Innenhof zu laufen und von den Insassinnen gefoppt und bedroht zu werden. Aber andererseits erinnert er sich auch an Hamid, der immer einer seiner engsten Vertrauten war, der ihm Dinge hat durchgehen lassen, die er eigentlich nicht gedurft hätte.

algerien

Gabriel erinnert sich an die Abenteuer, die er zusammen mit Baptiste erleben konnte, wenn er von seiner Mutter die Erlaubnis bekam, zusammen mit Baptiste außerhalb der Gefängnismauern, draußen oder auch auf dem Anwesen der Dumonts zu spielen und zu toben.
Aber er erinnert sich auch daran, wie verbittert und streng seine Mutter war, wie gruselig es war, wenn er mit der Gefängnishexe Sahira zu tun hatte, die ihn zu Gott bekehren wollte und mit dunklen Mächten paktierte, wie jeder in Abda wusste.

Normal war es nicht, dass Gabriel bei seiner inhaftierten Mutter bleiben durfte, aber dies war ihm damals nicht bewusst gewesen, er kannte es ja nicht anders und wusste nicht, dass es Gründe hatte, die ihm jedoch verborgen blieben.
Er und seine Mutter besaßen nicht viel, aber Yasmina bekam als Privileg einen Tisch zugestanden, auf dem sie ihren Sohn zunächst Wickeln und ihm später das Essen bereiten konnte. Noch viel später, als Gabriel an Baptistes Unterricht teilnehmen durfte, diente er ihm für seine Schularbeiten.

Baptiste wohnte dagegen bei seinen Eltern im Haus, zusammen mit zahlreichen Bediensteten. Ihm mangelte es zwar an nichts, außer später an Zuwendung und natürlich an Kontakt mit Gleichaltrigen, denn er bekam ja Hausunterricht und sah damit nicht einmal in einer Schule andere Kinder. Bis auf Gabriel.

Bis zu den nächsten Dörfern, zu denen Adba Beziehungen pflegte, waren es auch mindestens einstündige Märsche, bis in die nächste größere Stadt, noch viel mehr.

Beide würden sich heute wohl noch an ein wichtiges Erlebnis erinnern, das die Haft- und Sicherheitsbedingungen in Abda noch um ein vielfaches verschärfte. Damals floh eine der jüngeren Insassinnen mit dem damaligen Koch, was für viel Wirbel sorgte und zwischen den beiden Jungen auch einerseits für Unstimmigkeiten, andererseits aber auch wieder alles ins Lot brachte.

Streng genommen konnte man nicht von einem Ort sprechen, denn auf dem gesamten Areal standen gerade einmal sieben Gebäude. Sie lagen durch meterhohe Mauern abgeschottet auf einer leicht erhöhten Ebene am Rand des Atlasgebirges. Dort, wo die Wüste schon Oberhand gewonnen hatte, die Sonne der Sahara bereits ihre Hitze ind ie Felsen trieb und an fast allen Tagen die wenigen Menschen, die dort lebten, in ihrem brütenden Griff gefangen hielt.
(Haroon Gordon; Palast aus Staub und Sand; S. 7)

Einen Ort, irgendwo zwischen Fels und Wüste gehauen, kaum größer als das Areal eines Krankenhauses.
(Haroon Gordon; Palast aus Staub und Sand; S. 296)

So ungewöhnlich wie dieser Ort auch für zwei Kinder war, sie kannten keinen anderen Ort und keine andere Kindheit. Und sie hatten sich. Das war ihnen wichtig und sie waren sich selbst genug. Beinahe jedenfalls.

 

 

Gewinnspiel

Zu gewinnen gibt es 5 x je ein Printexemplar von Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon.

Um zu gewinnen, beantwortet einfach die jeweilige Frage auf den teilnehmenden Blogs in den Kommentaren. Damit landet euer Name im Lostopf. Die Teilnahme ist bis einschließlich zum 7. Mai 2017 möglich.

Meine heutige Frage an euch:

Wie findet ihr es, wenn Kinder bei ihren inhaftierten Eltern leben? Sollte dies möglich sein? Oder sind Gefängnisse kein Ort, an dem sich Kinder aufhalten sollten?

Falsche Antworten gibt es nicht, aber ich bin auf eure Ansichten gespannt 😉

Viel Glück!

Teilnahmebedingungen
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden.

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Wer übrigens doppelte Chancen haben möchte, der kann sich noch bis einschließlich zum 8. Mai auf Lovelybooks.de für die stattfindende Leserunde mit Autor bewerben!
Nicht verpassen, das Buch ist wirklich wahnsinnig besonders und toll und der Autor sehr sympathisch!

13 thoughts on “Blogtour zu Palast aus Staub und Sand von Haroon Gordon – Tag 4

  1. Ganz klar kein Ort für Kinder,denn was soll aus solchen Kindern denn mal werden,wen sie dieses elend sehen und damit aufwachsen?? Die Werden sicher genauso leben wie die Eltern es vorlebten….ist nicht immer gesagt jedoch meistens der Fall..!
    Ich würde dies nicht dulden jedoch schlimm ist für die jenigen die vielleicht unschuldig dort gelandet sind und dies alles nicht verstehen….

    VLG Jenny

  2. Hey!

    Die frage seh ich im zwiespalt….sehr schwierig …..
    Einerseits sollten kinder schon bei ihren eltern sein…ich würde mal sagen es kommt auf das delikt an….
    Andererseits denke ich dass kinder in einem guten Umfeld aufwachsen sollen…und ich finde dass das kein Gefängnis sein sollte!!! Je nach Delikt der eltern sollte kinder auch nicht unbedingt in ihren frühen jahren damit in Berührung kommen, sich sorgen und, alles hautnah mitbekommen. Psychische Unterstützung ist hier sowieso sehr wichtig sodass die kinder mit dem thema klar kommen.
    Wirklich ein schwieriges thema….

    Liebe grüße Carina

  3. Hallo,

    ich bin bei der Frage sehr zwiegespalten, einerseits denke ich, dass Gefängnisse kein Ort für Kinder sind, andererseits sollten sie aber möglichst bei ihren Eltern aufwachsen. Käme bei meiner Entscheidung wohl hauptsächlich drauf an, warum die Eltern oder das Elternteil im Gefängnis sind, so pauschal kann man es weder gut- noch schlechtheißen.

    Gruß Anette

  4. Hallöchen! 🙂

    Erst einmal Danke für deinen interessanten Beitrag und eine Gute Frage.
    Hmmm… ich würde sagen das Kinder ihre Eltern brauchen, allerdings im Gefängnis wo allerhand von statten geht, das glaube ich ist eher nicht der richtge Ort.
    Deshalb muss ich die Frage verneinen auch wenn ich finde das Eltern ihre Kinder prägen, oder auch genau deswegen. Denn in den Prägejahren ist man sehr aufnahmefähig was das Verhalten, die Situation oder die Umgebung angeht und das wirkt sich auch auf die Kinder im Erwachsenenalter aus.
    Auch da muss ich sagen wird es Ausnahmen geben, aber nicht alle.

    Liebe Grüßle Susanne

  5. Huhu,
    ich denke diese Frage pauschal zu beantworten ist schwierig, kommt vielleicht auch ein bisschen auf das Alter des Kindes an. Ich denke, bei einem Säugling kann es eine gute Sache sein (vorausgesetzt, es lauern keine Gefahren). Bei einem Kleinkind oder älter finde ich es nicht so prickelnd.
    Jeder Mensch sollte ein eigenes Leben haben und sich auch voll entfalten können. Ich denke, in Freiheit ist einfach ein anderes „Die Welt erkunden“ möglich, das sollte doch jedem Kind möglich sein.

    Liebe Grüße
    Jacqueline

  6. Pingback: [Blogtourankündigung] "Palast aus Staub und Sand" von Haroon Gordon - Bibilotta

  7. Hallo,
    puh, nicht so einfach zu beantworten. Einerseits ist das kein Ort für Kinder, andererseits ist es auch nicht schön, getrennt von den Eltern aufzuwachsen. Ich denke, es kommt sehr auf die Art des Gefängnisses an. Aber soll man ein Kind einsperren? Nein, dann doch lieber kein Leben im Gefängnis.

    Liebe Grüße, Jutta

  8. Hallo 🙂
    Für mich wäre das ein klares Nein! Als Elternteil sollte (zumindest bei relativ kurzen Haftstrafen) die Möglichkeit bestehen, das Kind nach Freilassung zu sich zu holen. Aber während der Haft fände ich es nicht gut.
    Ein Kind braucht (je nach Alter) Freunde oder zumindest Kontakt mit verschiedenen Mitmenschen, Sonne und frische Luft, es sollte „normal“ aufwachsen können. Zudem ist es nicht nur für das Kind nicht gut, es könnte auch zu Schwierigkeiten unter den Inhaftierten führen, wenn durch das Kind Ungleichbehandlungen für das Elternteil ggü. anderen Häftlingen entstehen.
    Aus meiner Sicht ist es deshalb besser, wenn das Kind in Freiheit aufwächst, auch wenn eine Trennung von den Eltern hart sein kann.

    LG, Bianca

  9. Pingback: {Blogtour} Palast aus Staub und Sand *Tag 5* | Mimo's Welt

  10. Ohjeee ohjeee….ein heikles Thema

    Ich bin generell schon dafür, dass Kinder bei ihrer Mama aufwachsen sollten.Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist für dessen Entwicklung einfach extrem wichtig.

    Trotzdem bin ich der Meinung, dass Kinder frei leben und auch die Welt kennen lernen sollten…das geht in einem Gefängnis nun mal nicht.

    Ich glaube, ich würde es von der Dauer der Inhaftierung abhängig machen.
    Wenn ein Baby zur Welt kommt und die Mutter z.B. nur noch 1 Jahr Gefängnis abzusitzen hat, würde ich dem zustimmen.
    Wäre es jedoch länger und das Kind würde mehrere Jahre hinter Gittern bleiben müssen, wäre ich dagegen.
    Da ist die Freiheit und Unbekümmertheit eines Kindes doch vieeeeel wichtiger.

    Ich folge bei Facebook unter Bianca Schweizer

  11. Hallo,

    das ist eine sehr schwierige Frage, ich würde sie eher mit nein beantworten, da die Unterbringung in einem Gefängnis nicht wirklich ein gutes Umfeld für ein Kind darstellt…

    LG

  12. Ich denke, sie sollten sie so oft sie wollen besuchen können, aber nicht dort leben.
    Dies könnte ihre Sicht der Dinge in einer Art verändern, die ich nicht abschätzen kann.
    Manche Kinder könnten dies nicht verkraften.
    Es kommt dabei keine Frage auf das Alter der Kinder an, aber selbst in der Pubertät sehe ich es nicht unbedingt als günstig an.
    LG Louise

  13. Hallo und vielen Dank für diesen interessanten Beitrag zur Blogtour! Ich denke schon, dass es gut ist, wenn Kinder die Möglichkeit haben, ihre Eltern, wenn sie es möchten, im Gefängnis zu besuchen. Dort leben sollten sie aber meiner Meinung nach nicht. Sie sollten möglichst in einem normalen Umfeld aufwachsen.

    Liebe Grüße
    Katja

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