Schweig für immer – Linwood Barclay

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Knaur Verlag | Taschenbuch Ausgabe | ca. 512 Seiten | 9,99 Euro | März 2016 | Originaltitel: No safe house | Übersetzer: Silvia Visintini | ISBN: 978-3426517918

Inhalt

(lt. amazon.de):

Familie Archer, vor sieben Jahren knapp mit dem Leben davongekommen, trägt schwer an ihrer Vergangenheit. Cynthia, die Mutter, hat das Trauma einfach nicht überwunden und beschließt, eine Weile getrennt von ihrer Familie zu leben, um wieder ins Lot zu kommen. Der Grund ist nicht zuletzt die vierzehnjährige Grace, die gegen die überbeschützende Haltung ihrer Eltern rebelliert. Terry, der Vater, versucht, seine Familie gegen diese Fliehkräfte zusammenzuhalten. Doch die Zeichen stehen auf Sturm: Die ganze Stadt ist in Aufruhr, weil sich in der Nachbarschaft der Archers ein brutaler Mord ereignet hat. Und Grace ist nicht ganz unschuldig an den Ereignissen.

Gewähltes Zitat

Als ich schwieg, fuhr er fort: »Es gibt einiges, was ich schon weiß, obwohl du wahrscheinlich glaubst, dass ich’s nicht weiß. Grace hat schon mit Jane gesprochen. Und ich meine nicht jetzt. Ich meine vorhin. Deine Kleine hat Jane angerufen, kaum dass sie aus dem Haus war. Sie hat ihr erzählt, sie hat eine Scheißangst, dass sie womöglich Stuart erschossen hat. Jane kennt Stuart schon seit acht, neun Jahren, seit ihre Mutter und ich zusammengekommen sind und Jane die Leute kennengelernt hat, die für mich arbeiten. Und deren Familien. Grace hat gesagt, Stuart hat ihr die Knarre zum Halten gegeben. Kommt das in etwa hin?«

(S. 78)

Meine Meinung

Sieben Jahre sind nach den damaligen Ereignissen vergangen und die Familie Archer hat diese immer noch nicht wirklich verarbeiten können. Das bringt familiäre Probleme mit sich. Als sich in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Doppelmord ereignet kochen die Emotionen vor allem bei Cynthia ein wenig über. Um ein wenig Abstand zu gewinnen zieht sie vorrübergehend aus dem gemeinsamen Haus aus, nichtsahnend, dass ihre Tochter sich in große Schwierigkeiten bringt, die ihr Mann nicht alleine lösen kann und in denen Cynthia ungewollt und unbewusst sogar ein wenig selbst mit drin steckt …

Ich mag die Bücher von Linwood Barclay. Seit „Ohne ein Wort“ konnte mich zwar keiner mehr soooo extrem fesseln, aber dennoch waren es immer sehr starke und spannende Thriller. Auf diese Fortsetzung zu „Ohne ein Wort“ war ich nun also sehr gespannt und konnte es gar nicht abwarten mich wieder in den Sog der Geschichte zu begeben und mich von Linwood Barclay fesseln zu lassen. Leider wurde daraus allerdings nichts …

Das Buch begann recht spannend. Ein mysteriöser Mord direkt in der Nachbarschaft der Archers. Kein Motiv und keine Täter weit und breit, nicht der geringste Hinweis. Das fing vielversprechend an.

Ein Wiedersehen mit der Familie Archer gefiel mir auch recht gut. Schnell wurde klar, dass Cynthia die Erlebnisse von vor sieben Jahren und aus ihrer noch früheren Kindheit nicht so einfach verkraftet hatte. Sie war überfürsorglich ihrer Tochter gegenüber und klammerte viel zu sehr. Deswegen nahm sie sich gerade auch eine Auszeit und zog für eine Weile aus dem gemeinsamen Haus aus. Wie damals versucht ihr Mann Terry sie auch dieses Mal wieder zu unterstützen wo er nur kann.

Um seine Frau nicht allzu sehr zu belasten versucht er also ein großes Problem mit seiner Tochter selbst zu lösen. Allerdings wächst ihm das schnell über den Kopf, denn es geht um Mord. Schneller als ihnen lieb ist, geraten sie in eine ziemlich ausweglose Situation.

Und hier hörte es dann bei mir auf, denn alles was danach kam war weder noch wirklich nachvollziehbar noch gut konstruiert oder verständlich. Ich habe keine Ahnung was nun wirklich passiert ist, denn es war alles so wirr und erschien mir so extrem gewollt, dass es keinen Spaß mehr gemacht hat. Die Verwicklungen der Familie Archer waren einfach nur dämlich eingebaut und mir kamen die zahlreichen Zufälle einfach sehr an den Haaren herbei gezogen vor. Ich hatte mir hier viel mehr von versprochen, aber eigentlich wusste man ca. ab der Hälfte des Buches worum es ging und es kam auch nicht mehr die überraschende Wende, die ich mir noch so sehr herbei gewünscht hatte. Leider hatte ich während des Lesens nur noch Fragezeichen über dem Kopf und konnte nicht fassen, dass Linwood Barclay mir hier so eine haarsträubende Geschichte vorgesetzt hat, die ich nicht wirklich ernst nehmen konnte. Sie war – abgesehen vom starken Anfang – nicht spannend, sie war nicht nachvollziehbar, total konstruiert und das auch noch sehr wirr. Mir hat das alles wirklich keinen Spaß gemacht. Sehr, sehr schade, denn auf dieses Buch hatte ich mich schon so richtig gefreut.

Ich denke übrigens, dass man dieses Buch auch lesen könnte, wenn man den Vorgänger „Ohne ein Wort“ bislang nicht kennt. Es ist dann vielleicht netter, weil es zahlreiche Anspielungen auf die Vergangenheit gibt, auf die nicht näher eingegangen wird, aber es sollte auch so möglich sein. Allerdings würde ich empfehlen lieber direkt zum Bestseller „Ohne ein Wort“ zu greifen und dieses hier links liegen zu lassen. Sorry.

Fazit

Mit Schweig für immer hat Linwood Barclay leider keine würdige Fortsetzung seines mega-starken Thrillers „Ohne ein Wort“ hingelegt. Im Gegenteil, mir kam es eher so vor, als hätte hier ein gänzlich anderer Autor geschrieben, denn mit der Spannung seiner bisherigen Romane konnte es Schweig für immer einfach nicht aufnehmen. Alles war viel zu wirr und gewollt. Nach einem starken Beginn kam leider der schnelle Absturz. Sehr, sehr schade!

Meine Wertung

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