Der Zopf von Laetitia Colombani

Der Zopf von Laetitia Colombani fiel mir zunächst durch seine besondere Optik auf. Die Farbzusammenstellung fand ich genial und auch der Inhalt sagte mir zu, so dass ich dieses Buch einfach lesen musste. Ob es halten konnte, was ich mir davon versprochen habe erfahrt ihr nun in dieser Rezension!

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S. Fischer Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 288 Seiten | 20,00 Euro | März 2018 | Originaltitel: La Tresse | Übersetzer: Claudia Marquardt | ISBN: 978-3103973518

Inhalt

(lt. amazon.de):

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.
Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

Gewähltes Zitat

Jedes Jahr werden in Indien zwei Millionen Frauen ermordet. Zwei Millionen Opfer männlicher Barbarei – und alle Welt schaut gleichgültig zu. Es ist der Welt völlig egal. Die Welt überlässt diese Frauen einfach ihrem Schicksal.

(S. 115)

Meine Meinung

Dieses Buch erzählt die Geschichte dreier Frauen. Smita, Giulia und Sarah könnten gar nicht unterschiedlicher sein und leben. Während Smita in Indien mit ihrer Tochter und ihrem Mann ums Überleben und gleichzeitig für ein besseres Leben kämpft, geht es für Giulia hauptsächlich darum die Firma ihrer Familie zu retten und weiter zu führen, nachdem ihr Vater ins Koma gefallen ist. Und auch für die erfolgreiche Anwältin Sarah geht es nach ihrer Krebserkrankung darum, sich ihren Platz im Leben zu sichern…

Der Geschichte wird die Bedeutung des Wortes „Zopf“ voran gestellt: drei ineinandergeschlungene Haarstränge. Demnach war klar, dass wir es hier mit drei unterschiedlichen Erzählsträngen zu tun haben würden und die erste Erklärung für den Titel war auch bereits gefunden.

Tatsächlich wird hier kapitelweise und abwechselnd die Geschichte von drei Frauen erzählt, die so unglaublich unterschiedlich sind, dass man glauben könnte, man hat es hier mit drei verschiedenen Büchern zu tun. Zumindest, wenn der wundervolle Erzählstil von Laetitia Colombani nicht wäre, der hier alles so wunderbar miteinander verflicht. Und außerdem gibt es noch, beginnend mit dem Prolog, eine kurze Rahmenhandlung, deren Bedeutung ich zwar schon früh erahnen konnte, die sich aber tatsächlich auf den letzten Seiten erst wirklich Enthüllte.

Es verwundert mich keineswegs, dass die Filmrechte zu dieser Geschichte bereits verkauft sind, denn das Buch hat mich trotz der Kürze doch sehr berühren können.
Alle drei Frauen haben ein hartes Schicksal und auch mehr oder weniger die Last ihres Geschlechts zu tragen. Dass auch heutzutage noch keine Gleichstellung herrscht, ist kein Geheimnis. Auch hier in unserer westlichen Welt gibt es immer noch Ungerechtigkeiten, sinnlose Unterschiede. In anderen Ländern der Welt sieht es aber weitaus schlimmer aus.
Im direkten Vergleich der drei Frauen hat Smita aus Indien sicherlich das härteste Schicksal und Sarah aus Kanada im Gegensatz zu ihr noch ein recht gutes Leben. Ihre Geschichten zeigen aber, dass sie alle ihr Päckchen zu tragen haben, wie es so schön heißt.

Wie die Geschichte ausgehen würde, bzw. wie die Handlungsstränge zusammen laufen würden, habe ich mir ebenfalls schon recht früh denken können. Dennoch war ich überrascht wie subtil dies geschah und habe mich auch keine Minute beim Lesen des Buches gelangweilt. Es war zu jedem Zeitpunkt unglaublich interessant und schön mit zu verfolgen, wie diese drei Frauen ihr Leben meistern konnten.

Fazit

Leatitia Colombani hat mit Der Zopf ein unglaubliches Debüt abgeliefert. Mit wenigen Worten, viel Gefühl und unheimlich subtil erzählt sie die Geschichte dreier komplett unterschiedlicher Frauen, die aber in Wahrheit gar nicht so unterschiedlich sind, denn sie alle haben eines gemeinsam: sie sind Frauen und müssen ihr Leben meistern!

Meine Wertung

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