Mucksmäuschentot – Gordon Reece

mucksmaeuschentot Fischer Jugendbuch Verlag
Softcover Ausgabe
ca. 352 Seiten
13,99 Euro
April 2012
ISBN: 3841421334

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Inhalt (lt. amazon.de):

Bis der Faden reißt.
„Shelley, Liebes, du brauchst keine Angst zu haben. Er will nur Geld. Wenn wir tun, was er sagt, lässt er uns in Ruhe und geht wieder.“
Ich glaubte ihr nicht. Ihre zitternden Hände und ihre Stimme verrieten mir, dass sie es selbst nicht glaubte. Wenn eine Katze ins Mauseloch eindringt, lässt sie die Mäuse nicht ungeschoren davonkommen. Ich wusste, wie die Geschichte enden würde.“
Shelley und ihre Mutter waren zu lange einfach zu nett. Klassische Opfer, die sich nach massivem Mobbing wie Mäuse fühlen. Sie verkriechen sich in einem abgelegenen Haus auf dem Land, um ihre Probleme hinter sich zu lassen. Sie sind glücklich in ihrer kleinen Welt mit Büchern, Musik und häuslichen Ritualen. Doch eines Nachts werden sie in ihrem neu gefundenen Frieden bedroht: Ein Mann dringt in ihr Haus ein. Und bei Shelley reißt der Faden. Was dann passiert, zerstört alle Gewissheiten.

 

Kommentar:
Shelley ist ein typisches Mobbing-Opfer in der Schule. Eine graue Maus, die man herumschubsen kann, die sich nie wehrt. Ihre Mutter ist ebenso. Verlassen vom Ehemann für eine jüngere, ausgenutzt von ihren Arbeitskollegen. Zusammen ziehen Mutter und Tochter raus aufs Land und wollen alles hinter sich lassen, nur noch für sich sein. Alles ist gut in ihrem Mauseloch, bis sich eines Tages eine Katze, in Form eines Einbrechers, ins Mauseloch verirrt. Da wird Shelley dann endlich wach und wehrt sich…

Wie viele andere auch, bin ich mit ganz falschen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Erwartet hatte ich nämlich einen spannenden Thriller im Stile von Jay Ashers „Tote Mädchen lügen nicht“, so wie es der Klappentext versprochen hatte. „Mucksmäuschentot“ ist aber anders, eher wie „Nichts“, aber mit fragwürdigerem Inhalt.

Zunächst einmal erzählt Gordon Reece die Geschichte der 16jährigen Shelley, die seit Beginn der Pubertät von ihren ehemals besten Freunden gemobbt wird. Je weniger sie sich zur Wehr setzt, – und sie wehrt sich nie – je mehr sie zum Opfer wird, desto stärker wird das Mobbing, umso grausamer das, was ihr angetan wird. Es geht so weit, dass schließlich tatsächlich Shelleys Leben bedroht ist. Zu diesem Zeitpunkt entschließen sich Mutter und Tochter aufs Land zu ziehen und hier setzt die eigentliche Geschichte dann auch ein.

Nachdem Shelley jahrelang das Opfer war, jahrelang erfahren musste, dass sich niemand darum kümmert, wenn ein Mensch, der einem nicht allzu nahe steht, gequält und misshandelt wird, platzt schließlich alles aus ihr heraus, als ein Einbrecher in ihr Haus einbricht und sie und ihre Mutter als Geiseln nimmt, sie ausraubt und beschimpft. Endlich wehrt sie sich, endlich verlangt sie den ihr zustehenden Respekt. Leider hat dieses Verlangen schlimme Konsequenzen, denn sie und ihre Mutter bringen den Einbrecher um und versuchen die Tat zu vertuschen. Dass es bei diesem Vertuschungsversuch tatsächlich einen Zuschauer gibt, finden Mutter und Tochter erst später heraus, was sie erneut zum Mörder werden lässt.

Die ganze Tat ist vielleicht verständlich. Verständlich, weil man natürlich verstehen kann, warum Menschen, die ihr Leben lang grausam behandelt wurden, sich dann auch einmal wehren, wenn es soweit ist. Und der erste Mord geschah ja also tatsächlich mehr oder weniger so, dass man es als Notwehr ansehen könnte. Der zweite Mord war jedoch wirklich einfach nur ein Mord. Jedenfalls beinahe. Hier will ich nicht zu sehr ausholen, jeder sollte das Buch für sich alleine lesen. Was ich sagen will ist einfach, dass diese Taten in diesem Buch zwar so beschrieben werden, dass die Intention verständlich ist, also der Grund, warum Shelley und ihre Mutter so handelten, schlimm ist aber, dass die Reue fehlt.
Hier wird es so hingestellt, als wenn es richtig wäre, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu wehren, auch wenn dabei ein Mensch verletzt wird, nur weil man selbst auch grausames über sich ergehen lassen musste. Natürlich kann man darüber diskutieren, genau das ist sicherlich auch sinnvoll, ich frage mich nur, wie viele Jugendliche dieses Buch tatsächlich in angemessener Form diskutieren und reflektieren, wenn sie es gelesen haben. Außerhalb der Schule werden das wohl die wenigsten sein und das finde ich schon bedenklich, da dieses Buch ja schon ein Jugendbuch sein will.
Als Schullektüre finde ich es überhaupt nicht verkehrt dieses Buch zu behandeln, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Moral und Verantwortung. Alleine würde ich mein Kind dieses Buch eher nicht lesen lassen. Jedenfalls nicht, wenn es sich danach nicht angemessen damit auseinander setzen könnte.

Insgesamt weiß ich nicht so wirklich was ich von diesem Buch halten soll. Der Schreibstil ist fesselnd, die Geschichte an sich hat allerdings Längen. Die Aussage ist zweifelhaft. Insgesamt würde ich neutrale drei Sterne vergeben.

Scheiterhaufen – Derek Nikitas

scheiterhaufen Knaur Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 432 Seiten
9,99 Euro
Januar 2012
ISBN: 342650989X

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Inhalt
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Lucia ist eine rebellische Fünfzehnjährige, ein typischer Teenager. Hauptsächlich daran interessiert, ihre Haare zu färben, Einkaufen zu gehen, sich mit ihren Eltern zu streiten und ein wenig für den undurchsichtigen Nachbarssohn Quinn zu schwärmen. Doch ihre Jugend endet jäh, als ihr Vater, ein angesehener Literaturprofessor, bei einem missglückten Raubüberfall vor ihren Augen erschossen wird. Die Tat entfacht ein Inferno der Gewalt, das jeden zu verschlingen droht, der sich ihm in den Weg stellt …


Kommentar:

Der Teenager Luc Moberg muss mit ansehen, wie ihr Vater nach einem Einkaufsbummel mit ihr im Parkhaus erschossen wird. Nicht nur für die bricht eine Welt zusammen, auch ihre Mutter ist plötzlich völlig neben der Spur und plötzlich hat Luc niemanden mehr, der sich um sie kümmert. Und das während die Geschichte ihren Lauf nimmt, denn der Mord an Oskar Moberg ist nur der Anfang gewesen …

Diese Geschichte wird in drei Strängen erzählt. Zunächst ist da Luc, ein rebellischer Teenager, die mitansehen muss, wie ihr Vater ermordert wurde. Dann erleben wir die Ermittlungen in diesem Mordfall aus Sicht der Ermittlerin Greta, die auch nicht so ganz bei sich ist und mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Und dann ist da noch die junge, schwangere Tanya, die mal wieder an einen Mann geraten ist, den man – vorsichtig ausgedrückt – einen schlechten Umgang nennen würde. Diesen letzten Handlungsstrang konnte ich zunächst nicht in die Geschichte einordnen, aber die Zusammenhänge lichten sich ab ca. Mitte des Buches.

Was mir direkt von Beginn an sehr gut gefallen hat war der Schreibstil des Autors, denn Derek Nikitas erzählt wirklich toll! Er überträgt Stimmungen gut, vermittelt detailierte Eindrücke, ohne jedoch zuweit auszuholen. Das hat mir wirklich sehr gefallen, diesen Autor werde ich mir merken!
Die Geschichte ist interessant und gut durchdacht. Ein guter und spannender Thriller, ohne irgendwelchen Schnick-Schnack.

Wer also Lust hat auf ein paar spannende Lesestunde, der kann es sich mit diesem gut geschriebenen Buch bequem machen!

Das eiserne Haus – John Hart

daseisernehaus C. Bertelsmann Verlag
Gebundene Ausgabe
ca. 512 Seiten
19,99 Euro
März 2012
ISBN: 3570101193

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Inhalt (lt. amazon.de):
Zwei kleine Kinder werden an einem eisigen Bach ausgesetzt. Zwei Jungen müssen kämpfen, um zu überleben. Zwei Männer führen ganz unterschiedliche Leben. Und doch sind beide unlösbar miteinander verbunden.
Als der zwölfjährige Julian im Waisenhaus seinen brutalen Peiniger umbringt, nimmt sein älterer Bruder Michael die Schuld auf sich und flieht nach New York – mitten ins Herz des organisierten Verbrechens. Zwei Jahrzehnte später kehrt Michael nach North Carolina zurück, mit skrupellosen Killern auf den Fersen; sein lange verloren geglaubter Bruder kämpft dagegen mit ganz eigenen Dämonen. Doch die beiden Brüder werden das Rätsel ihrer Vergangenheit nur gemeinsam lösen können.
Edgar-Preisträger John Hart zeigt erneut, dass er Spannung erzeugen kann wie kein zweiter.

 

Kommentar:
Michael wuchs im Heim und später auf der Straße auf. Er musste fliehen, weil er seinen Bruder beschützt hat, der aus Notwehr und Angst einen Mord beging. Ein großer Gangsterboss nahm ihn auf, lehrte ihn alles und sorgte für ihn wie einen Vater. Als er Jahre später eine Frau kennen und lieben lernt und aussteigen will stößt er auf Probleme…

In etwa so beginnt dieses Buch. Die Geschichte ist allerdings so komplex, dass ich nicht wirklich viel zum Inhalt schreiben kann ohne zu viel zu verraten, deswegen lasse ich es. Ich fand die ganzen Zusammenhänge sehr interessant und sehr gut ausgedacht und durchdacht, wenn ich mir das meiste allerdings auch schon im Vorfeld zusammenreimen konnte. So unvorhersehbar fand ich das alles gar nicht, aber das war auch nicht schlimm, das Buch ist nämlich auch so unheimlich spannend und voller Action und Wendungen. Immer wenn man meint, jetzt ist der Höhepunkt erreicht, dann kommt noch etwas.
Hier wird die Vergangenheit von mehreren Personen, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben, beleuchtet und versucht zu entschlüsseln.
Die Geschichte ist ziemlich hart und grausam erzählt. Es fließt Blut, es wird gefoldert und gemordet und das viel und kaltblütig. Sogar der Held, die Hauptfigur in diesem Roman mordet kaltblütig und trotzdem kann man mit ihr mitfühlen.

Ein wenig geärgert habe ich mich über ein paar wenige Ungereimtheiten, die zwar aufgefallen sind, aber einfach unter dem Tisch gekehrt wurden. Ich kann hier leider nicht zu sehr darauf eingehen ohne zu viel zu verraten, aber ich find es schon merkwürdig eine Anklage gegen Personen auszusetzen mit der Begründung, dass zu viel Chaos entstanden und gemordet wurde. Das machte die ganze Geschichte dann doch weniger realistisch als sie hätte sein können, was meiner Meinung nach recht unnötig war.

Ansonsten war dies aber ein wirklich irres Buch! Ein klasse Thriller mit super viel Action und Spannung!

Entführt – Hans Koppel

040198715-entfuehrt Heyne Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 352 Seiten
14,99 Euro
Februar 2012
ISBN: 3453267605

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Inhalt (lt. amazon.de):
Bis sie verstummt – Psychologische Hochspannung aus Skandinavien!
Als Ylva ihr Büro verlässt, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben in Kürze für immer verändern wird. Sie verabschiedet sich von ihren Kollegen, wünscht allen einen schönen Abend und macht sich auf den Heimweg. Nach wenigen Minuten hält ein Auto neben ihr. Alte Bekannte, wie es scheint. Sie bieten Ylva an, sie ein Stück mitzunehmen. Ylva fühlt sich unbehaglich, doch sie will nicht unhöflich sein, nimmt das Angebot an und steigt ein. Eine Entscheidung, die sie für immer bereuen wird.
Auf dem Heimweg von der Arbeit wird Ylva entführt. Man verfrachtet sie in einen schalldicht isolierten Keller und demütigt sie. Ylva kennt ihre Entführer, ein lang zurückliegendes Ereignis, das Ylva eigentlich für immer vergessen wollte, verbindet sie mit den Tätern. Der Keller, in dem Ylva gefangen gehalten wird, liegt nur wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt. Über einen Bildschirm, den ihre Entführer in dem Kellerverlies angebracht haben, kann sie verfolgen, was dort vor sich geht. Sie sieht ihren Mann Mike, wie er das Haus verlässt. Oder ihre achtjährige Tochter Sanna, wie sie im Garten spielt. Wie gern wäre sie bei ihnen! Aber Ylva kann sich nicht bemerkbar machen. Verzweifelt trommelt sie an die Tür, an die Wände, auf den Boden und schreit sich die Seele aus dem Leib. Doch das ist erst der Anfang ihrer Pein.

Kommentar:
In ihrer Kindheit war sie Mitglied einer gefürchteten Clique und genau dies wird Ylva Jahre später zum Verhängnis. Eines Tages wird sie einfach entführt und in einen Keller gesperrt. Zur Außenwelt hat sie nur durch einen Monitor Kontakt, der ihr Haus zeigt. So kann sie miterleben wie ihr Mann und ihre Tochter ohne sie weiter leben …

Thriller steht auf diesem Buch – der Psychothrill ist hier allerdings eher der Protagonistin vorbehalten, die in Gefangenschaft den absoluten Horror erlebt und psychisch ausgelaugt wird. Dem Leser bleibt die schlimmste Spannung erspart, da er – ebenso wie Ylva – von Anfang an weiß wer die Täter sind. Auch das Motiv wird schnell klar, so dass die Spannung eigentlich nur noch darin besteht, dass man gerne wissen möchte was genau damals passiert ist in Ylvas Vergangenheit und wie es weiter gehen wird, ob es wirklich so geschieht, wie die Täter es geplant haben.
Auf der anderen Seite können wir mit dem verlassenen Ehemann und seiner Tochter mitleiden und miterleben, wie sie mit der Ungewissheit, was mit ihrer Frau und Mutter wohl geschehen sein mag, weiter leben.
Die Ermittlungen durch die Polizei sind in diesem Fall recht lächerlich, was hauptsächlich an den Charakteren der Polizisten liegt. Stattdessen machen sich ehemalige Mitschüler von Ylva an einige Recherche-Arbeit …

Obwohl hier schon von Anfang klar war, worum es geht und wer der Täter ist, fand ich diesen Thriller gelungen. Der Schreilstil ist sehr flüssig, die Kapitel klar strukturiert und zumeist auch sehr kurz gehalten. Vor allem die Person des Ehemanns fand ich sehr gelungen umschrieben, bei allen anderen hätte es noch ein wenig mehr bedurft, sie blieben ein wenig blass.
Auch das Ende fand ich zu glatt, zu schnell. Zack, zack, aus und vorbei, keine Konflikte, keine Probleme. Das kam sehr unglaubwürdig und für mich unbefriedigend.

Insgesamt gebe ich diesem Buch trotz meiner genannten Kritikpunkte vier Sterne, denn ich habe das Lesen genossen und würde es auch jedem empfehlen, der Lust auf etwas spannende und kurzweilige Lektüre verspürt.

Mein böses Herz – Wulf Dorn

MEIN_B~1 cbt Verlag
Gebundene Ausgabe
ca. 416 Seiten
16,99 Euro
Februar 2012
ISBN: 3570160955

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Inhalt (lt. amazon.de):
Niemand verschwindet einfach so auf Spitzbergen!
Longyearbyen, die Hauptstadt von Spitzbergen: Im städtischen Kindergarten gehen seltsame Dinge vor sich. Immer wieder verschwinden Kinder von dort. Sie sind nicht lange fort. Die Erzieherinnen sind beunruhigt, nehmen es aber nicht wirklich ernst, dass die Kinder nicht erzählen wollen, wo sie gewesen sind. Eines Tages tritt dann das Gefürchtete ein: Ein kleines Mädchen verschwindet – und taucht nicht mehr auf. Eine hektische Suche beginnt. Die Spuren, die sie hinterließ, führen in die Grubenschächte, hinunter in die Tiefe stillgelegter Kohlengruben auf Spitzbergen. Und bald wird klar, dass sie nicht die Einzige ist, die in der überschaubaren Welt von Spitzbergen verloren ging …

Kommentar:
Als Doro ihren kleinen Bruder tot in seinem Kinderbettchen auffindet, bricht für sie und ihre Eltern eine Welt zusammen. Nichts ist mehr so wie es einmal war, ihre Eltern trennen sich und in der Schule wird sie gemobbt. Als für Doro alles zuviel wird und zusammen bricht begibt sie sich in psychiatrische Behandlung. Auch über ein Jahr nach diesem schrecklichen Erlebnis ist noch nicht alles ausgestanden. Sie kann sich immer noch nicht genau erinnern was überhaupt geschehen ist und hinzu kommt, dass in ihrem Umfeld merkwürdige Dinge geschehen, die sie dazu bringen an sich selbst und ihrem Verstand zu zweifeln. Doch wer hat ein Interesse daran, dass Doro erneut zusammen bricht?

Wulf Dorn hat hier seinen ersten Psychothriller für Jugendliche geschrieben und er ist wirklich super gelungen! Außerdem haben damit auch sicherlich Erwachsene ihren Spaß.
In kurzen Kapiteln wird die Handlung aus Doros Sicht geschildert, es dreht sich alles um die aktuelle Situation. Dazu gibt es zwischendurch immer mal wieder ein paar Rückblenden in Form von Doros Erinnerungen. Diese brechen immer an besonders spannenden Stellen ab, so dass von Anfang an klar ist, dass irgendein kleines Puzzleteilchen fehlt. Spannung gibt es also direkt an zwei Fronten, in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Ausgenommen Doro bleiben allerdings alle Charaktere ein wenig blass. Die meisten wirkten einfach nicht echt und lebendig genug, was natürlich daran liegen kann, dass die Handlung ja aus Sicht einer nicht allwissenden Person beschrieben wird. Trotzdem hat mich das ein wenig gestört.
Auch das Ende hätte ich mir weniger hastig und mehr ausführlicher gewünscht. Da hat sich schließlich alles sehr überschlagen. Das sind dann aber auch schon meine einzigen Kritikpunkte.

Insgesamt fand ich diesen Roman als Jugendthriller sehr ansprechend und sehr gut gelungen! Für Jugendliche sicherlich auch ein kleiner Denkanstoß in Richtung Moralvorstellungen und Wahrnehmung. Eine klare Empfehlung für alle Interessenten!

Suche – Monica Kristensen

4315 btb Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 336 Seiten
9,99 Euro
Januar 2012
ISBN: 3442744342

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Inhalt (lt. amazon.de):
Niemand verschwindet einfach so auf Spitzbergen!
Longyearbyen, die Hauptstadt von Spitzbergen: Im städtischen Kindergarten gehen seltsame Dinge vor sich. Immer wieder verschwinden Kinder von dort. Sie sind nicht lange fort. Die Erzieherinnen sind beunruhigt, nehmen es aber nicht wirklich ernst, dass die Kinder nicht erzählen wollen, wo sie gewesen sind. Eines Tages tritt dann das Gefürchtete ein: Ein kleines Mädchen verschwindet – und taucht nicht mehr auf. Eine hektische Suche beginnt. Die Spuren, die sie hinterließ, führen in die Grubenschächte, hinunter in die Tiefe stillgelegter Kohlengruben auf Spitzbergen. Und bald wird klar, dass sie nicht die Einzige ist, die in der überschaubaren Welt von Spitzbergen verloren ging …

Kommentar:
Dieser Roman ist Auftakt einer Krimireihe die mitten im Nordatlantik auf der Insel Spitzbergen, genauer in der dortigen Hauptstadt Longyearbyen spielt. Die Bewohner kennen sich nahezu alle, der Ort ist klein. So sind auch alle erstaunt, als plötzlich ein kleines Mädchen spurlos aus dem Kindergarten verschwindet. Kommissar Knut Fjeld leitet mit seinem Team die Ermittlungen in diesem Fall.

Die Suche nach der kleinen Ella ist die Haupthandlung in diesem Buch. Es gibt noch etliche Nebenhandlungen und Nebenschauplätze, die interessant sind, ja, aber ich empfand es teils alt etwas zu viel des Guten. Wir erfahren in Rückblicken noch viel über Ellas Umfeld und vor allem über den Bergbau auf Spitzbergen. Die Landschaften und der Bergbau wird zwar schön und detailliert beschrieben, die Charaktere auch, allerdings bleiben diese trotzdem irgendwie farblos. Ich hatte auch nach Beendigung der knapp 330 Seiten nicht den Eindruck, dass ich mir irgendeinen der Protagonisten wirklich vorstellen könnte.
Die diversen Handlungsstränge scheinen zunächst nicht viel miteinander zu tun zu haben, aber im Verlauf des Buches wird deutlich, wie sehr alles miteinander zusammen hängt. Trotzdem blieb das Ende ohne Überraschung oder Aha-Effekt, es endete so, wie man es sich schon etliche Seiten vorher zusammen reimen konnte.
Die Spannung, die der Klappentext mir so dringend impliziert hat, bleib größtenteils aus. Es war mehr so eine dahinplätschernde Handlung mit viel Hintergrund, die zwar interessant war, durch den nüchternen Schreibstil der Autorin auch gut zu lesen, aber einfach nicht spannend oder nachhaltig genug um mehr davon zu wollen.

Insgesamt ein netter und solider Thriller, aber ich denke nicht, dass ich noch mehr von dieser Autorin lesen werde.

Das Tal 2.2: Das Erbe – Krystyna Kuhn

15019451_15019451_xl Arena Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 251 Seiten
9,99 Euro
April 2012
ISBN: 3401066102

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Inhalt (lt. amazon.de):
Es ist Prüfungszeit am Grace College und Rose, Chris, Katie und die anderen haben beschlossen, die Geheimnisse des Tals für ein paar Tage ruhen zu lassen. Aber während die Studenten gerade über der Englischklausur brüten, passiert das Unfassbare. Einer ihrer Kommilitonen dreht völlig durch. Er droht, sie alle zu töten. Während der Sicherheitsdienst das Collegegebäude räumt, um die anderen Studenten in Sicherheit zu bringen, versuchen Rose, Katie, Debbie und Chris vergeblich, den Amokläufer zu beruhigen. Doch der will nur mit einem sprechen. Mit David. Und der ist spurlos verschwunden …

Kommentar:
Ein paar Monate hat es gedauert, bis ich nach Band 2.1 endlich Band 2.2 in den Händen halten konnte. Nachdem ich vom letzten Band ja etwas enttäuscht war, weil die angekündigte große Enthüllung nicht vorhanden war, legte ich jetzt meine Hoffnung auf Erkenntnis in diesen Band. Dahingehend wurde ich allerdings leider wieder enttäuscht …

Während Katie, Chris, Julia, Debbie und Rose in einer Prüfung sitzen, ertönt plötzlich Code 111 aus den Lautsprechern. Dies bedeutet nichts anderes als dass es einen Amoklauf am College gibt. Geistesgegenwärtig verbarrikadieren sich die Schüler in ihrem Klassenraum als die feststellen müssen, dass der Killer direkt unter ihnen ist und ein perfides Spiel mit ihnen spielt. Er verlangt David, der gerade mit Robert ins Labyrinth gegangen ist, im Austausch gegen einige Geiseln…

Die Handlung ist dieses Mal ziemlich spannend, aber nicht, weil wir endlich mehr über das Geheimnis des Tals erfahren, darüber hält sich Robert, der mittlerweile mindestens ein Geheimnis geknackt hat, immer noch sehr bedeckt. Nein, spannend ist dieses Mal tatsächlich die Handlung und das makabre Psychospiel, das der Amokläufer mit David und seinen Freunden spielt. In dessen Verlauf erfahren wir auch endlich mehr über Davids Vergangenheit, die er in Flashbacks noch einmal erlebt und so den Leser miterleben lässt und was seine Verbindung zum Tal sein könnte.

Aber auch wenn das wirklich spannend ist, so kommen wir doch nicht so viel weiter in der Gesamthandlung, was mich ein wenig ärgert. Am Ende wissen wir um Davids interessanten Hintergrund und die Totentafel wird mal wieder ergänzt. Auf den letzten Seiten können wir dann nur erahnen, dass Robert mit seiner wage geäußerten Theorie, dass nichts Zufall ist was im Tal geschieht, recht haben könnte und schon müssen wir auf den nächsten Band warten. Glücklicherweise soll dieser bereits im Juni erscheinen. Ich hoffe es sehr, denn ich bin wirklich begierig darauf endlich mal ein paar konkretere Anhaltspunkte zu bekommen …

Die einzige Zeugin – Anne Cassidy

u1_978-3-596-85494-3 Fischer Verlag
Taschenbuch Ausgabe
ca. 288 Seiten
14,99 Euro
Februar 2012
ISBN: 3596854946Bestellen bei Amazon.de

Herzlichen Dank an Dani und ihrem Blog für dieses Buch das ich im Rahmen der Jugendbuch-Challenge gewonnen habe!

Inhalt (lt. amazon.de):
Der Junge winkte ihr zu, als stünde er oben auf einem Schiff und sie unten am Kai. Aber er war nicht auf einem Schiff, er war im Schlafzimmer ihrer Eltern. Einem Zimmer, das sie gut kannte. Vor zehn Jahren war sie in diesem Zimmer gestorben und wieder ins Leben zurückgekommen.
Als die 17-jährige Lauren zurückkehrt zu dem Haus, in dem sie als Kind Zeugin eines schrecklichen Verbrechens wurde, kommen plötzlich die Erinnerungen wieder. Unangenehme Bilder drängen sich in ihr Bewusstsein, und sie muss sich schließlich die Frage stellen, ob die Dinge damals wirklich so waren, wie sie immer geglaubt hatte.
Ein spannender Psycho-Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.

Kommentar:
Zehn Jahre ist es her, dass ihr Vater ihre Mutter und ihre kleine Schwester ermordet hat. Lauren war damals die einzige Zeugin und jetzt ist Lauren 17 Jahre alt, als sie zurück kommt nach London, zu dem Ort an dem dieses schreckliche Verbrechen geschehen ist. Nach und nach versucht sie ihre zurückkehrenden Erinnerungen zu verarbeiten und die Versuche ihres Vaters, aus dem Gefängnis heraus wieder Kontakt mit ihr aufzunehmen, abzuschmettern…

Bei diesem Thriller handelt es sich um einen Jugendthriller. Der Schreibstil der Autorin ist entsprechend einfach und schnörkellos gehalten, aber dennoch recht ansprechend und geradlinig. Die Beschreibungen des Verbrechens sind recht unblutig und nicht zu brutal, aber es wird mit der Beschreibung des Verbrechens auch nicht total hinterm Berg gehalten. Für die Zielgruppe fand ich das sehr angemessen.

Die Handlung ist komplett nachvollziehbar und zu keinem Zeitpunkt überzogen oder unrealistisch. Über weite Strecken dachte ich, ich wüsste wie das Buch enden wird, aber am Ende wendet sich das Blatt dann doch noch einmal, so dass es nicht von Anfang an ersichtlich ist wie es ausgehen wird.
Die Figuren waren mir allesamt sehr sympathisch, ihre Handlungen nachvollziehbar. Es war schon sehr spannend mitzuerleben, wie Lauren nach und nach in ihrem alten zu Hause, dem Ort des Verbrechens, ihre Erinnerungen an die Tatnacht wieder erlangt. Und es war interessant zu überlegen, wie diese Erinnerungen zusammen hängen könnten, was dahinter stecken könnte.

Das Cover ist recht düster, so wie auch die Stimmung im Buch, obwohl es auch immer hoffnungsvolle Momente gibt. Die Farbgebung stimmt also mit dem blutroten Titel mittendrauf.

Insgesamt war es ein sehr gut durchdachter Psychothriller für Jugendliche, der aber auch Erwachsenen gefallen kann. Wer ein wenig kurzweilige Spannung sucht, dem kann ich diesen Thriller empfehlen!