Leere Herzen von Juli Zeh

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Luchterhand Verlag | Gebundene Ausgabe | ca. 352 Seiten | 20,00 Euro | November 2017 | ISBN: 978-3630875231

Inhalt

(lt. amazon.de):

Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…
„Leere Herzen“ ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender‎ Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Gewähltes Zitat

»Wenn die BBB mit dem Grundgesetz fertig ist, wird nur noch eine leere Hülle übrig sein. Europa wird sich endgültig auflösen, die Bündnisse mit russischen, türkischen und amerikanischen Autokraten werden die Welt zurück ins 19. Jahrhundert katapultieren. Es gibt ein Widerstandsrecht.«

(S. 308)

Meine Meinung

In einer sehr, sehr nahen Zukunft hat die Gesellschaft Deutschlands sich zu dem einer herzlosen und gleichgültigen Masse entwickelt, in der nur das eigene Ego zählt. Auch Britta und ihr Geschäftspartner Babak profitieren davon. Sie haben die „Brücke“ gegründet. Statt aber wirkliche Therapien anzubieten, handeln sie mit Selbstmord-Attentätern. Alles ganz kontrolliert um Zeichen zu setzen und absolut selbstverständlich, denn irgendwer muss es ja tun, nicht wahr? Als schließlich Konkurrenz auf den Plan tritt, ist das aber auch nicht in Brittas Interesse …

Wow, dieses war mein erstes Buch von Juli Zeh und es hat mich ziemlich sprachlos zurück gelassen. Ich musste es wirklich erst mal einige Zeit sacken lassen.

Total unaufgeregt und mit einer wahnsinnigen Selbstverständlichkeit schreibt die Autorin über eine nahe Zukunft, wie sie tatsächlich sein könnte, denn so zeichnet es sich heute bereits ab: der Mensch zählt nicht mehr, erhebt sich nicht wirklich gegen tatsächliche Missstände, nie aber, wenn es tatsächlich angebracht ist und hat sowieso nur noch Augen für sein eigenes Wohlergehen. Und das in einer Zeit, wo es uns eigentlich so gut geht wie nie.

Juli Zeh zeigt in „Leere Herzen“ tatsächlich auf, woran es unserer Gesellschaft heute schon mangelt. An Empathie und Mitgefühl. Während des Lesens dachte ich so häufig einfach nur “Mein Gott! So will doch niemand leben.” Aber tatsächlich tun wir dies doch schon längst. Zumindest sind wir auf dem besten Weg dahin.

Ehrlich gesagt fand ich die Geschichte ein wenig fade und langweilig. Aber durch den gesellschaftlich aktuellen Bezug, der immer wieder eingestreut wird, gab es diesem Buch eine ganz eigene Dimension, die einem wirklichen Schrecken einjagen kann. So werden beispielsweise aktuelle Geschehen wie die Flüchtlingskrise und Trump genommen und mögliche Entwicklungen für die Zukunft aufgezeigt. Genau davon profitiert diese Geschichte total.

Julie Zeh hat es hier geschafft mit Britta und Babak zwei Figuren zu entwerfen, die sich die Ignoranz der Gesellschaft zu Nutze machen um ihren ganz eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Ganz nach dem Motto: Niemand sagt was, dann wird es schon okay sein. Und das, obwohl moralisch überhaupt nichts okay ist an ihrer “Arbeit”.
Genau dieses Verhalten finden wir ja auch bereits heute schon vor. Auf der einen Seite jammert gefühlt jeder, alle sind unzufrieden und prangern die Politik an, verbreiten Hass. Auf der anderen Seite geht es uns aber so gut, dass auch niemand sich berufen fühlt den unbequemen Weg zu gehen und wirklich etwas zu tun. Man wähnt sich in Ruhe und Sicherheit, fühlt sich schlau und stark in den gemütlichen vier Wänden.

Dieses Buch ist wie eine Vision davon, wie es kommen könnte, wenn es so weiter geht.

Fazit

Juli Zeh hat mit „Leere Herzen“ eine erschreckende Geschichte über eine mögliche Zukunft geschrieben, wie sie in nicht allzu langer Zeit tatsächlich eintreten könnte. Leider realistisch, leider wenig empathisch. Erschreckend und aufrüttelnd, tatsächlich aber auch ein minimales bisschen langweilig.

Meine Wertung

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