Der Junge auf dem Berg – John Boyne

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S Fischer Verlage | Gebundene Ausgabe | ca. 304 Seiten | 16,99 Euro | August 2017 | Originaltitel: The Boy on the Top of the Mountain |Übersetzer: Ilse Layer | ISBN: 978-3737340625

Inhalt

(lt. amazon.de):

Seit über 10 Jahren ein Welterfolg: ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹
Mit seinem neuen Roman kehrt John Boyne in das dunkelste Kapitel unserer Geschichte zurück.

Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich in den deutschen Haushalt, in dem sie Dienst tut. Aber dies ist keine gewöhnliche Zeit: Der zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Und es ist kein gewöhnliches Haus: Es ist der Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz.
Schnell gerät der Junge unter den direkten Einfluss des charismatischen Führers. Um ihm seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat.

Ein brandaktuelles Buch in Zeiten des weltweiten Rechtsrucks.

Gewähltes Zitat

»Behaupte nie, du hättest nicht gewusst, was hier vor sich ging. Du hast Augen und Ohren. Und du hast viele Male im Arbeitszimmer gesessen und Notizen gemacht. Du hast alles gehört. Du hast alles gesehen. Du hast alles gewusst. Und du weißt auch, für welche Dinge du verantwortlich bist.« Sie stockte, doch es musste ausgesprochen werden. »Welche Toten du auf dem Gewissen hast. Aber du bist noch jung, du bist erst sechzehn; du hast noch viele Jahre vor dir, um zu verarbeiten, dass du bei all dem mitgemacht hast. Aber red dir nie ein, du hättest von nichts gewusst.« Damit ließ sie ihn los. »Das wäre das schlimmste Verbrechen überhaupt.«

(S. 290)

Meine Meinung

Pierrot hat keine leichte Kindheit. Den Verlust seines gewalttätigen Vaters verkraftet er nur schwer und als dann auch noch seine Mutter stirbt und sich gerade im Heim eingelebt hat, holt ihn seine bis dato unbekannte Tante zu sich. So zieht Pierrot von Frankreich nach Österreich, auf einen herrlichen Landsitz, auf dem seine Tante als Hauswirtschafterin arbeitet. Von seiner Herkunft und seiner Freundschaft zum Jungen Anshel darf er aber nicht sprechen, denn der Hausherr ist streng und hätte etwas dagegen, sagt Pierrot, der sich ab sofort auch Peter nennen muss. Diese Umstellungen gefallen ihm zunächst überhaupt nicht und es fällt ihm schwer sich daran zu gewöhnen. Zumindest, bis er den Hausherren, der der Führer ist, besser kennen lernt …

Ich war so gespannt auf das neue Buch von John Boyne, weil mich damals bereits „Der Junge im gestreiften Pyjama“ total begeistern konnte. John Boyne hat es total drauf die schrecklichen Geschehnisse und Zustände des zweiten Weltkriegs in so kindlich-naiver Art und Weise zu beschreiben, dass es einem auch als Erwachsenen leicht fällt zu begreifen wie sich diese Zustände damals abgespielt und angefühlt haben müssen.

In vielen ähnlichen Lektüren erzählen die Autorin mit dem erhobenen Zeigefinger und zeigen Missstände auf. Hier geschieht dies so ganz nebenbei, am Rande, als wäre es kaum der Rede wert und eigentlich selbstverständlich.

Pierrot musste in seiner Kindheit viele Schikanen erleiden, wurde teils gedemütigt. Natürlich wünscht sich ein Junge, dass man selbst die selbe Macht besitzt. Als Pierrot diese später bekommt, scheut er sich nicht lange sie auch einzusetzen. Er will endlich Anerkennung erlangen. Sein Vater ist nicht mehr da, aber im Hausherren, der niemand geringeres als Adolf Hitler persönlich ist, sieht er Parallelen und will sich seine Anerkennung verdienen. Lange Zeit versteht er nicht bzw. verdrängt, dass er das auf eine Weise tut, die nicht gerecht ist und viele Opfer fordert. Erst zu spät erkennt er, was aus ihm selbst geworden ist.

Von Beginn an kann man bereits mit dem Pierrot mitfühlen. Er hat wirklich keine leichte Kindheit und nicht zuletzt auch deswegen sieht man es ihm gerne mal nach, dass er sich später für Handlungsweisen entscheidet, die einfach nur himmelschreiend unrecht sind. Aber man versteht wieso er dies tut, was ihn dazu getrieben hat. Und man kann ihm teils nicht einmal dafür böse sein.
So ging es jedenfalls mir über weite Teile des Buches. Obwohl John Boyne ja nun auch nicht einer dieser Autoren ist, die alles toterklären und beschreiben, geht seine Erzählung über diesen Jungen und dem Führer tief. Die Zwischentöne sind das, was hier zählt und was viel tiefer geht als jede ausführliche Erklärung. Dafür mag ich die Bücher von John Boyne sehr, denn diese Art hat er bereits schon in „Der Junge im gestreiften Pyjama“ an den Tag gelegt.

Gerade in unserer heutigen Zeit, wo wir uns leider unbestreitbar wieder gegen das Thema Rechtsextremismus und Fremdenhass erheben müssen, kommt diese Erzählung wirklich recht, denn vieles ist auch unsere heutige Zeit übertragbar. Es erklärt ein wenig, warum Menschen heute, die eigentlich aufgeklärt sein sollten, die rechte Propaganda-Tour mittragen. Wie es dazu kommt und wie das Verhalten eines jeden Einzelnen – nicht nur von ihnen, auch von uns, der anderen Seite – dazu beiträgt. Im Besten Fall regt es zum Nachdenken über sein eigenes Handeln an.

Fazit

John Boyne hat es einfach drauf! In „Der Junge auf dem Berg“ treffen wahre Tatsachen auf fiktive Elemente und ergeben zusammen eine sehr realistische und glaubhafte Geschichte, die erschreckt, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir heute, in unserer Zeit wieder (oder immer noch?) vor dem Thema Hass und Fremdenfeindlichkeit und auch rechte Gewalt und Machtausübung stehen.

Meine Wertung

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2 thoughts on “Der Junge auf dem Berg – John Boyne

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